Freiheit
von Becca Ruddy
Ich wach morgens auf, ganz fröhlich und keck,
doch wenn ich dann aufsteh, denk ich nur: Oh Schreck!
Im Kopf dreht sich alles, die Sinne sind stumm.
Das darf doch nicht wahr sein. Das ist doch zu dumm!
Ich bin doch okay, und putz ich mich heraus,
kannst du jeden fragen: "Sie sieht doch gut aus!"
Verpackung ist prima, die macht doch was her.
Drum sei doch zufrieden! Was willst du noch mehr?
Ich muss dir was sagen, mein Freund, im Vertrauen,
denn nur auf den Anschein kannst du nie bauen.
Die Schale mag schön sein, doch kratz nicht daran:
Wie's aussieht da drunter, geht keinen was an.
Wenn du mich so ansiehst, fürcht ich, du entdeckst,
wie in mir die Krankheit stets weiter noch wächst.
Drum lass mich in Ruhe und mach mich nicht an
und lass mich so leben, wie ich's grad noch kann.
Anmerkung der Autorin:
Dies ist ein Gedicht, das ich geschrieben
habe. Es hat mich geärgert, dass die Leute mich sehen, mich
anschauen und denken: "He, die sieht doch ganz gesund aus!" und
mich danach beurteilen. Ich mag ja gesund aussehen - aber das muss
nicht bedeuten, dass ich es auch bin.
Originaltitel:
Freedom
© Becca Ruddy, Ohio/USA 2000;
deutsch: Kai Kracht
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