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Die Birke
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Vo polye byeryoza stayala,
vo polye kudryavaya stayala,
lyuli, lyuli, stayala,
lyuli, lyuli, stayala.
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Auf dem Felde stand eine Birke,
auf dem Felde stand die lockige,
Ljuli, Ljuli, dort stand sie,
Ljuli, Ljuli, dort stand sie.
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Nyekomu byeryozu zalomati,
nyekomu kudryavu zashtshipati,
lyuli, lyuli, zalomati,
lyuli, lyuli, zashtshipati.
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Niemand soll die Birke umbrechen,
niemand soll die lockige ausreissen,
Ljuli, Ljuli, umbrechen,
Ljuli, Ljuli, ausreissen.
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Paidu ya v lyes, pagulyayu,
byeluyu byeryozu zalomayu,
lyuli, lyuli, pagulyayu,
lyuli, lyuli, zalomayu.
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Ich werde in den Wald gehen, ich werd gehen,
dort werd ich eine weisse Birke fällen,
Ljuli, Ljuli, ich werd gehen,
Ljuli, Ljuli, ich werd fällen.
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Srezhu ya z byeryozyý tri prutotshka,
zdyelayu iz nyikh ya tri gudotshka,
lyuli, lyuli, tri prutotshka,
lyuli, lyuli, tri gudotshka.
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Von der Birke schneid ich mir drei Zweiglein,
mach daraus drei Pfeifchen,
Ljuli, Ljuli, drei Zweiglein,
Ljuli, Ljuli, drei Pfeifchen.
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Tshetvertuyu balalaiku,
staromu dyedu na zabavku,
lyuli, lyuli, balalaiku,
lyuli, lyuli, na zabavku.
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Als viertes mach ich eine Balalaika,
dem alten Grossvater zum Vergnügen,
Ljuli, Ljuli, eine Balalaika,
Ljuli, Ljuli, zum Vergnügen.
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Text und Melodie: Russisches Volkslied
Aussprache:
s = immer stimmlos, wie das s in "Glas"
/ z = stimmhaft, wie das s in "Glaser"
sh = stimmlos, wie das sch in "Tasche"
/ zh = stimmhaft, wie das g in "Etage"
kh = raues ch, wie in "ach"
/ weich, wie in "ich", nur vor "e" und "i"
y = leichtes j, wie in "Himalaya" /
ý = dumpfes i, zwischen ü und i
a, e, i, o, u, ý
= der unterstrichene Vokal kennzeichnet die betonte Silbe eines Wortes
Bearbeitung für Balalaika, Notensatz,
Transkription und sinngemässe Übersetzung: Kai Kracht
Anmerkung:
Dieses schlichte Liedchen ist offensichtlich sehr alt
und ein schönes Beispiel dafür,
wie in einer Gesellschaft ohne Schrifttradition
Gesetze und Verhaltensregeln
in Liedform
mündlich eingeprägt und überliefert werden:
Die ersten beiden Strophen
enthalten das Gesetz:
Die Birke auf dem freien Feld vorm Dorf
darf niemand anrühren!
Sicher ist sie
- wie bei unseren germanischen Vorfahren die Donars-Eiche -
ein geheiligter Ort
für Gottesdienste, Gerichtstage und Volksversammlungen.
Daraus ergibt sich die Verhaltensregel,
die, in der Ich-Form gesungen, wie ein Gelöbnis klingt:
Wenn ich mal Birkenholz brauchen sollte,
werde ich den weiten Weg
bis zum Wald gehen
und dort einen Birkenbaum fällen.
Daraus darf ich mir dann gerne eine Balalaika
oder ein paar Pfeifchen
oder sonstwas machen.
Ljuli, eine altslawische Erdgöttin,
die uns auch in dem bekannten Lied "Kalinka"
und einer ganzen Reihe von weiteren Volksliedern begegnet,
wird das ganze Lied hindurch immer wieder
als Hüterin dieses Gesetzes
und als Zeugin für die Einhaltung
des Gelöbnisses beschworen.
Gesetz und Gelöbnis erhalten dadurch
gleichsam eine göttliche Weihe.
© Kai Kracht 2002
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