Amurpartisanen


 
     
 

Po dolinam i po vzgoryam
shla diviziya fpyeryot,
shtobý z boyem vzyat' primorye,
Byeloi Armiyi aplot –
shtobý z boyem vzyat' primorye,
Byeloi Armiyi aplot.

Durch die Täler und über die Berge
zog unsere Abteilung vorwärts,
um im Sturm die Küste zu nehmen,
das Bollwerk der Weissen Armee –
um im Sturm die Küste zu nehmen,
das Bollwerk der Weissen Armee.

 
 

Nalivalisya znamyona,
kumatsh tshom paslednikh ran,
shli likhiye eskadro
priamurskikh partizan –
shli likhiye eskadro
priamurskikh partizan.

Durchtränkt waren die Fahnen,
der Stoff war rot von den letzten Wunden,
so ritten die kühnen Hundertschaften
der Partisanen vom Amur –
so ritten die kühnen Hundertschaften
der Partisanen vom Amur.

 
 

Etikh lyet nye smolknit slava,
nye pamerknit nikagda:
Partizanskiye otryadi
zanimali garada
partizanskiye otryadi
zanimali garada.

Der Ruhm dieser Jahre wird nicht verstummen
und nie an Glanz verlieren:
Die Trupps der Partisanen
nahmen die Städte ein –
die Trupps der Partisanen
nahmen die Städte ein.

 
 

I ostanutsya kak f skaskakh,
kak manyashtshiye agni:
Shturmovýe notshi f Spaskakh,
Volotshayevskiye dnyi –
shturmovýe notshi f Spaskakh,
Volotshayevskiye dnyi.

Und das wird bleiben, wie in den Legenden,
wie lockende Feuer:
Die stürmischen Nächte bei Spassk
und die Tage von Wolotschajewka –
die stürmischen Nächte bei Spassk
und die Tage von Wolotschajewka.

 
 

Razgromili atamanov,
razognali woyevod,
i na Tikhom Okeanye
svoi zakontshili pakhot –
i na Tikhom Okeanye
svoi zakontshili pakhot.

Die Atamane haben wir zerschmettert,
die Wojwoden haben wir auseinandergejagt,
und am Stillen Ozean
haben wir unseren Feldzug beendet –
und am Stillen Ozean
haben wir unseren Feldzug beendet.

 
     
 


Text und Melodie aus dem Bürgerkrieg 1918-1922
Aussprache:
       s = immer stimmlos, wie das s in "Glas" / z = stimmhaft, wie das s in "Glaser"
       sh = stimmlos, wie das sch in "Tasche" / zh = stimmhaft, wie das g in "Etage"
       kh = raues ch, wie in "ach" / weich, wie in "ich", nur vor "e" und "i"
       y = leichtes j, wie in "Himalaya" / ý = dumpfes i, zwischen ü und i
       a, e, i, o, u, ý = der unterstrichene Vokal kennzeichnet die betonte Silbe eines Wortes
Bearbeitung für Balalaika, Notensatz, Transkription und sinngemässe Übersetzung: Kai Kracht
Anmerkung:
       Eine der ersten Amtshandlungen der neuen Sowjetregierung 1917 war das "Dekret über den Frieden": Russland zog sich aus dem Ersten Weltkrieg zurück, verkündete Waffenstillstand an all seinen Fronten und schickte seine Soldaten nach Hause. Wenige Wochen danach fielen vierzehn fremde Staaten, darunter Grossbritannien, Frankreich, Deutschland, USA und Japan, mit ihren Armeen von allen Seiten her in Russland ein und hatten - im Bündnis mit den "weissen" Armeen zarentreuer russischer Generäle - bis zum Sommer 1918 schon drei Viertel des russischen Riesenreiches besetzt.
       Aber Fuss fassen konnten die Besatzer nicht. Viele Russen setzten grosse Hoffnungen auf die neue Sowjetregierung, sie wollten nicht länger Frondienste leisten für russische Fürsten, polnische Wojwoden und ukrainische Atamane, oder unter der Militärdiktatur leben, die der Zaren-General Koltschak jetzt mit Unterstützung der USA am Ural errichtete, oder sich in Ostsibirien unter japanische Kolonialherrschaft fügen. Die Besatzungstruppen wurden vom Volk boykottiert, vielerorts bildeten sich Partisanengruppen und bekämpften sie, und so konnte die eilends aufgestellte "rote" Armee die Eindringlinge in knapp zwei Jahren wieder vertreiben und ihre "weissen" Hilfstruppen im Lande besiegen.
       Nur am Fluss Amur im fernen Osten Sibiriens zogen die Kämpfe sich noch zwei Jahre hin: Doch auch hier siegten am Ende die Partisanen über die versprengten Reste der "weissen" Armeen, befreiten 1922 die Städte Wolotschajewka, Spassk und schliesslich Wladiwostok von der japanischen Besetzung und beendeten damit endgültig den zähen Kampf des Volkes und seiner Partisanen gegen die fremden Besatzungsmächte und die letzten Überreste des Zarenregimes – und das Lied der "Amurpartisanen" wurde zum Symbol für den siegreichen Abschluss dieses Kampfes.
© Kai Kracht 2002