Schwarze Augen


 
     
 

Otshi tshornýe, otshi strastnýe,
otshi zhgutshiye i prekrasnýe –
kak lublyu ya vas, kak bayus ya vas!
Znat', uvidel vas ya v nyedobrý tshas.

Schwarze Augen, leidenschaftliche Augen,
brennende, schöne Augen –
wie ich euch liebe, wie ich euch fürchte!
Seit ich euch sah, habe ich keine gute Stunde mehr.

 
 

Okh, nyedarom vý glubiný tyemney!
Vizhu traur v vas po dushe mayey,
vizhu plamya v vas ya pabyednoye:
Sozhenu na nyom sertse byednoye.

Ach, ihr seid nicht umsonst von so dunkler Tiefe!
Ich sehe in euch die Trauer über meine Seele,
ich sehe in euch das unbezwingbare Feuer,
auf dem mein armes Herz verbrennt.

 
 

No nye grusten ya, nye petshalen ya,
uteshitelna mnye sud'ba maya:
Fsyo shto lutshevo v zhizni bog dal nam
v zhertvu otdal ya ognevým glazam!

Doch ich bin nicht traurig, nicht bedrückt,
glücklich erscheint mir mein Schicksal:
Alles, was Gott uns Gutes im Leben gegeben hat,
hab ich geopfert für diese feurigen Augen.

 
     
 


Text: K. P. Grebenko
Melodie: Russische Zigeunerweise, notiert um 1800
Aussprache:
       s = immer stimmlos, wie das s in "Glas" / z = stimmhaft, wie das s in "Glaser"
       sh = stimmlos, wie das sch in "Tasche" / zh = stimmhaft, wie das g in "Etage"
       kh = raues ch, wie in "ach" / weich, wie in "ich", nur vor "e" und "i"
       y = leichtes j, wie in "Himalaya" / ý = dumpfes i, zwischen ü und i
       a, e, i, o, u, ý = der unterstrichene Vokal kennzeichnet die betonte Silbe eines Wortes
Bearbeitung für Balalaika, Notensatz, Transkription und sinngemässe Übersetzung: Kai Kracht
Anmerkung:
       Der Schwung dieses Liedes lässt einen nicht mehr los. Die Melodie hat man rasch erfasst, weil sie so einfach ist: Das schlichte Motiv am Anfang - ganze fünf Töne lang - wird immer nur wiederholt, die ganze Strophe hindurch, doch dabei immer ausgreifender, immer temperamentvoller variiert, so dass die Motiv-Umkehrung am Schluss den entfesselten Schwung kaum auffangen kann - man möchte die Melodie immer nochmal und nochmal erleben.
       Die totale, rückhaltlose Hingabe an die Liebe, die sich im Text offenbart, ist der Musik fein nachempfunden: Dieser Melodie kann man sich so ganz und gar hingeben.
© Kai Kracht 2002