Korobuschka



 
     
 

"Ekh, polným-polna korobushka,
yest' i sityets i partsha.
Poshaley, maya zaznobushka,
maladyetskovo pletsha.

"Hej, randvoll ist mein Bauchladen,
Kattunstoffe gibt's da und Brokat.
Hab doch Mitleid, meine Liebe,
mit meinen jugendlichen Schultern!

 
 

Výidu, výidu v rozh výsokuyu,
tam do notshki padazhdu.
Kak zavizhu tshorno-okuyu,
fsye tavari razloshu."

Ich geh hinaus, hinaus ins hohe Roggenfeld,
dort warte ich bis zur Nacht.
Wenn ich die mit den schwarzen Augen erblicke,
werd ich sogleich alle Waren ausbreiten."

 
 

Katya byerezhno targuyetsya,
fsyo bayitsya pyeredat'.
Parin z dyevushkoi tsyeluyitsya,
prosit tsyenu nabavlyat'.

Katja handelt vorsichtig,
hat immer Angst, zu viel auszugeben.
Der Bursche küsst das Mädchen
und bittet, zum Preis noch was draufzulegen.

 
 

"Tsyený sam platyil nye malýe.
Nye targuisya, nye skupyis!
Podstavlyaika gubki alýe,
blizhe k malatsu sadyis!"

"Ich hab selbst keine geringen Preise gezahlt.
Drum handle nicht lange, sei nicht geizig!
Biete mir deine roten Lippen
und setz dich näher zu mir bravem Burschen!"

 
     
 


Text nach N. Nekrassow
Melodie aus dem Kaukasus
Aussprache:
       s = immer stimmlos, wie das s in "Glas" / z = stimmhaft, wie das s in "Glaser"
       sh = stimmlos, wie das sch in "Tasche" / zh = stimmhaft, wie das g in "Etage"
       kh = raues ch, wie in "ach" / weich, wie in "ich", nur vor "e" und "i"
       y = leichtes j, wie in "Himalaya" / ý = dumpfes i, zwischen ü und i
       a, e, i, o, u, ý = der unterstrichene Vokal kennzeichnet die betonte Silbe eines Wortes
Bearbeitung für Balalaika, Notensatz, Transkription und sinngemässe Übersetzung: Kai Kracht
Anmerkung:
       Diese temperamentvolle Melodie wurde schon um 1930 in der deutschen bündischen Jugend bekannt und sehr frei mit dem Text "Asien bebe!" unterlegt, der das wilde, ungebundene Kosakenleben verherrlicht. Tatsächlich aber geht es hier um die Liebe – und um den famosen Trick, mit dem der junge Strassenverkäufer die schwarzäugige Katja ins Roggenfeld lockt.
       Bei diesem Lied beginnen die Strophen stets langsam. Die ersten Töne werden gedehnt, als würde ein Bogen gespannt. Dann wird die Melodie schneller, vorwärts treibender, zum Strophenende hin entlädt sich die Spannung in wirbelnden Tonläufen und wird erst ganz am Ende mit den letzten drei Tönen wieder eingefangen, um die nächste Strophe dann aufs neue sehr langsam zu beginnen.
© Kai Kracht 2002