Katjuscha

 
     
 

Rastsvetali yabloni i grushi,
poplýli tumani nad rekoi,
výkhadyila na byereg Katyusha,
na výsoki byereg, na krutoi.

Die Apfel- und die Birnbäume erblühten,
Nebelschwaden lagen über dem Fluss,
da ging Katjuscha hinaus aufs Ufer,
auf das hohe, steile Ufer.

 
 

Výkhadyila, pyesnyu zavodyila,
pro stepnovo, sizovo orla,
pro tavo, katorovo lubyila,
pro tavo, tshi pyisma beregla.

Sie ging hinaus und sang ein Lied
über einen grauen Steppenadler,
über den, den sie liebte,
über den, dessen Briefe sie bewahrte.

 
 

Oi, tý pyesnya, pyesen'ka dyevitshya,
tý leti za yasným sontsem vsled
i boitsu na dalnem pogranyitshi
ot Katyushi pyeredai privyet.

Ach, du Lied, du kleines Lied eines Mädchens,
fliege hinter der hellen Sonne her
und bringe dem Krieger im fernen fremden Land
von Katjuscha einen Gruss.

 
 

Pust' on vspomnit dyevushku prastuyu,
pust' uslýshit, kak ana payot,
pust' on zemlu byerezhot radnuyu -
a lyubov Katyusha zbyerezhot.

Er soll an sein einfaches Mädchen denken,
er soll hören, wie sie singt,
er soll die heimatliche Erde beschützen -
und Katjuscha wird ihre Liebe bewahren.

 
 

Otsvetali yabloni i grushi,
uplýli tumani nad rekoi.
Ukhadyila z byerega Katyusha,
unasyila pyesen'ku damoi.

Die Apfel- und die Birnbäume sind verblüht,
der Nebel über dem Fluss ist verschwunden.
Katjuscha ist vom Ufer fortgegangen
und hat ihr Liedchen mit nach Hause genommen.

 
     
 


Text: M. Issakowski
Melodie: M. Blanter
Aussprache:
       s = immer stimmlos, wie das s in "Glas" / z = stimmhaft, wie das s in "Glaser"
       sh = stimmlos, wie das sch in "Tasche" / zh = stimmhaft, wie das g in "Etage"
       kh = raues ch, wie in "ach" / weich, wie in "ich", nur vor "e" und "i"
       y = leichtes j, wie in "Himalaya" / ý = dumpfes i, zwischen ü und i
       a, e, i, o, u, ý = der unterstrichene Vokal kennzeichnet die betonte Silbe eines Wortes
Transkription und sinngemässe Übersetzung: Kai Kracht
Anmerkung:
       Eigentlich zu Friedenszeiten und wohl für die Wachmannschaften an all den fernen Grenzen des Landes geschrieben, bekam dieses Lied nach Hitlers Überfall auf die Sowjetunion 1941 jäh eine neue Aktualität. Bald kannte es jeder. Die Sowjetführung liess reihenweise heroische, patriotische Kampflieder produzieren, doch "Katjuscha", dieses schlichte Liedchen von den Apfelblüten daheim und dem Mädchen, das dort in Liebe an sie denkt, blieb das Lieblingslied der jungen Männer an der Front.
       Bei uns wurde die mitreissende Melodie zuerst in der bündischen Jugend bekannt – um 1930 als Räuberballade "In dem dunklen Wald von Paganowo", später mit der Textübertragung "Leuchtend prangten ringsum Apfelblüten" – und in den siebziger Jahren wurde sie auch von der Popmusik entdeckt und für den Schlager "Kasatschok" verwendet.
© Kai Kracht 2002