Die Wolgaschlepper

 
     
 

       Ey ukhnyem! Ey ukhnyem!
       Yeshtsho razik, yeshtsho da ras!

       Hau ruck! Hau ruck!
       Noch ein bisschen, noch einmal!

 
 

Razovyom mý byeryozu,
razovyom mý kudryavu!
Aida da aida, aida da aida,
razovyom mý kudryavu!

Lasst uns den Birkenknüppel biegen,
den Knüppel der lockigen Birke biegen!
Aida da aida, aida da aida,
den Knüppel der lockigen Birke biegen!

 
 

       Ey ukhnyem! Ey ukhnyem!
       Yeshtsho razik, yeshtsho da ras!

       Hau ruck! Hau ruck!
       Noch ein bisschen, noch einmal!

 
 

Mý po byereshku idyom,
pyesnyu solnýshku payom!
Aida da aida, aida da aida,
pyesnyu solnýshku payom!

Wir ziehen über das Ufer dahin,
singen der lieben Sonne unser Lied!
Aida da aida, aida da aida,
singen der lieben Sonne unser Lied!

 
 

       Ey ukhnyem! Ey ukhnyem!
       Yeshtsho razik, yeshtsho da ras!

       Hau ruck! Hau ruck!
       Noch ein bisschen, noch einmal!

 
 

Ekh, tý Volga, mat-ryeka,
shiroka i gluboka!
Aida da aida, aida da aida,
shiroka i gluboka!

Ach, du Wolga, du Mutter-Strom,
du bist so breit und tief!
Aida da aida, aida da aida,
du bist so breit und tief!

 
 

       Ey ukhnyem! Ey ukhnyem!
       Yeshtsho razik, yeshtsho da ras!

       Hau ruck! Hau ruck!
       Noch ein bisschen, noch einmal!

 
     
 


Text und Melodie: Russisches Volkslied
Aussprache:
       s = immer stimmlos, wie das s in "Glas" / z = stimmhaft, wie das s in "Glaser"
       sh = stimmlos, wie das sch in "Tasche" / zh = stimmhaft, wie das g in "Etage"
       kh = raues ch, wie in "ach" / weich, wie in "ich", nur vor "e" und "i"
       y = leichtes j, wie in "Himalaya" / ý = dumpfes i, zwischen ü und i
       a, e, i, o, u, ý = der unterstrichene Vokal kennzeichnet die betonte Silbe eines Wortes
Bearbeitung für Balalaika, Notensatz, Transkription und sinngemässe Übersetzung: Kai Kracht
Anmerkung:
       "Wolgaschlepper" hat sich als Names dieses Liedes bei uns eingebürgert, und "Wolgatreidler", was praktisch dasselbe ist, heisst eines der eindrucksvollsten Gemälde des berühmten russischen Malers Ilja Repin: Mit schwerem Schritt nähert sich da eine Kolonne von etwa zwanzig Bootsschleppern. Jeder in Russland weiss: Das sind Leibeigene, ihr Gutsherr hat sie ausgeliehen an einen reichen Kaufmann, dessen schwer beladenen Lastkahn sie nun ein Stück die Wolga hinauf ziehen müssen. Der Gutsherr hat gutes Geld dafür bekommen – die Leibeigenen sehen davon natürlich nichts. Sie sind zerlumpt und erschöpft, sie stemmen ihre nackten Füsse ins Ufergras und ziehen, an vielen Seilen zugleich, den schweren Lastkahn stromaufwärts.
       Das erfordert alle Kraft, und die starken Knüppel aus Birkenholz an den Seilenden biegen sich durch, wenn die Männer sich richtig ins Zeug legen: "Ey ukhnyem! Ey ukhnyem!" – "Hau ruck! Hau ruck!" ... Aus dem "Ey ukhnyem!"-Ruf wird eine Melodie. Man hört die Verbissenheit heraus, mit der die Männer sich Schritt für Schritt vorwärts kämpfen, und die Wucht gemeinsamer Kraftanstrengung: "Yeshtsho razik, yeshtsho da ras!" – "Noch ein bisschen, noch einmal!"
       Und da, wo es leichter vorangeht, wo alle etwas aufatmen, erfindet einer eine Strophe: über ihre gemeinsame Kraft, über die Sonne, über Mütterchen Wolga ... Aber auch in der freier gestalteten Melodie der Strophen spürt man die schweren, schleppenden Schritte, die durch das ganze Lied hindurchgehen, immer im gleichen Takt, im gleichen Tempo, ohne Pause zwischen Refrain, Strophe, Refrain, Strophe ... bis die Kolonne vorbeigezogen ist und das Lied mit dem "Ey ukhnyem!"-Refrain leiser wird und in der Ferne verhallt.
© Kai Kracht 2002