|
|
Ekh, tý Volga, mat-ryeka,
shiroka i gluboka!
Aida da aida, aida da aida,
shiroka i gluboka!
|
Ach, du Wolga, du Mutter-Strom,
du bist so breit und tief!
Aida da aida, aida da aida,
du bist so breit und tief!
|
|
|
|
Text und Melodie: Russisches Volkslied
Aussprache:
s = immer stimmlos, wie das s in "Glas"
/ z = stimmhaft, wie das s in "Glaser"
sh = stimmlos, wie das sch in "Tasche"
/ zh = stimmhaft, wie das g in "Etage"
kh = raues ch, wie in "ach"
/ weich, wie in "ich", nur vor "e" und "i"
y = leichtes j, wie in "Himalaya" /
ý = dumpfes i, zwischen ü und i
a, e, i, o, u, ý
= der unterstrichene Vokal kennzeichnet die betonte Silbe eines Wortes
Bearbeitung für Balalaika, Notensatz,
Transkription und sinngemässe Übersetzung: Kai Kracht
Anmerkung:
"Wolgaschlepper" hat sich als Names
dieses Liedes bei uns eingebürgert,
und
"Wolgatreidler", was praktisch dasselbe ist,
heisst eines der
eindrucksvollsten Gemälde
des berühmten russischen Malers Ilja Repin:
Mit schwerem Schritt
nähert sich da eine Kolonne
von etwa zwanzig Bootsschleppern.
Jeder in Russland weiss: Das sind Leibeigene,
ihr Gutsherr hat sie ausgeliehen
an einen reichen Kaufmann,
dessen schwer beladenen Lastkahn
sie nun ein Stück die Wolga hinauf ziehen müssen.
Der Gutsherr hat gutes Geld dafür bekommen
die Leibeigenen sehen davon natürlich nichts.
Sie sind zerlumpt und erschöpft,
sie stemmen ihre nackten Füsse ins Ufergras
und ziehen, an vielen Seilen zugleich,
den schweren Lastkahn stromaufwärts.
Das erfordert alle Kraft,
und die starken Knüppel aus Birkenholz
an den Seilenden biegen sich durch,
wenn die Männer sich richtig ins Zeug legen:
"Ey ukhnyem! Ey ukhnyem!" "Hau ruck! Hau ruck!" ...
Aus dem "Ey ukhnyem!"-Ruf wird eine Melodie.
Man hört die Verbissenheit heraus,
mit der die Männer sich Schritt für Schritt
vorwärts kämpfen,
und die Wucht gemeinsamer Kraftanstrengung:
"Yeshtsho razik, yeshtsho da ras!"
"Noch ein bisschen, noch einmal!"
Und da, wo es leichter vorangeht,
wo alle etwas aufatmen,
erfindet einer eine Strophe:
über ihre gemeinsame Kraft,
über die Sonne, über Mütterchen Wolga ...
Aber auch in der freier gestalteten Melodie der Strophen
spürt man die schweren, schleppenden Schritte,
die durch das ganze Lied
hindurchgehen, immer im gleichen Takt,
im gleichen Tempo,
ohne Pause zwischen Refrain, Strophe, Refrain, Strophe ...
bis die Kolonne vorbeigezogen ist und das Lied mit
dem "Ey ukhnyem!"-Refrain leiser wird
und in der Ferne verhallt.
© Kai Kracht 2002
|
|