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Die Balalaika-Schule
Hier ist sie, die Balalaika, ein russisches Volksinstrument,
klein und zierlich und so bescheiden mit ihren drei Saiten
und doch so vielseitig:
Sie kann wie die Gitarre, und gut auch mit ihr zusammen
Lieder mit Akkorden begleiten
und dem Gesang diesen typisch russischen Klang verleihen,
aber ihre Stärke liegt eindeutig im Melodiespiel:
So verspielt ein heiteres Tanzliedchen klimpern,
so sehnsuchtsvoll von einsamen Birken
und verlorener Liebe singen,
so aufpeitschend zum Kasatschok aufspielen,
dass keiner mehr stillsitzen kann
das kann nur die Balalaika.
Die Prim-Balalaika stellt sich vor
Mit vollem Namen heisst sie "Prim-Balalaika",
denn sie hat, von der etwas grösseren Sekund-Balalaika
bis zur mannshohen Bass-Balalaika, noch fünf
grössere Schwestern, die in den Balalaika-Orchestern
zusammen spielen.
Aber jede Balalaika hat diese charakteristische
dreieckige Form.
Die entstand im 17. Jahrhundert
als der volkstümliche Nachbau
der altrussischen Domra,
jener feinen, bei Hofe gespielten
dreisaitigen Laute
mit ihrem nahezu kreisrunden,
sehr aufwendig gearbeiteten Schallkörper
das einfache Volk konnte sich dieses kostbare Instrument
nicht leisten
und baute es für sich
mit einem schlichten dreieckigen Schallkörper nach.
So ist die Balalaika von Anfang an
ein Instrument des Volkes,
der Bauern und Handwerker, Fischer und Pelztierjäger,
und erzählt in den Balalaikaliedern
vom Leben der einfachen Leute,
von ihrer Arbeit, ihren Freuden und Sorgen,
von Liebe und Sehnsucht,
von Knechtschaft und Befreiung ...
Die Prim-Balalaika hat ursprünglich
drei Saiten aus Darm bzw. neuerdings auch aus Nylon,
aber heute wird sie meist mit sechs Stahlsaiten gebaut:
Das nimmt der Balalaika etwas von ihrer typischen Klangfarbe,
verleiht ihr dafür aber einen strahlenderen,
volleren Klang.
Die jeweils zu zweit dicht beieinander liegenden Doppelsaiten
werden praktisch behandelt wie eine einzige Saite:
Sie werden beide stets auf denselben Ton gestimmt
und beide gleichzeitig gegriffen.
Wenn daher hier im Lehrgang mal von den "drei Saiten"
der Balalaika die Rede ist, gilt dasselbe
selbstverständlich auch für die "drei Doppelsaiten".
Stimmung, Anschlag und Griffe der Balalaika
Früher hatte die Balalaika oft gar nur zwei Saiten:
"Beim Spielen werden zwar beide Saiten mit dem Finger oder
einer Federspule gerissen,
die Melodietöne aber nur auf der
einen Saite gegriffen,
während die andere immer in demselben Ton
fortschnurrt"
so beschreibt "Meyers Konversations Lexikon" von 1874
jenes klassische Balalaikaspiel.
Das erklärt uns einiges über die
eigentümliche Stimmung und Spielweise unserer Balalaika,
auch wenn sie heute drei Saiten hat und etwas anspruchsvoller
gespielt werden will.
Gestimmt
werden zwei der drei Balalaika-Saiten
bzw. Doppelsaiten
auf denselben Ton, nämlich beide auf den Ton E"
das ist der Ton der hohen E-Saite der Gitarre.
Um Ihre Balalaika immer bei bester Stimmung zu halten,
könnten Sie sich eine Stimmflöte für Gitarre besorgen,
den höchsten Ton darauf anblasen
und die E-Saiten Ihrer Balalaika
auf diesen Ton stimmen.
Um dann die A-Saite zu stimmen,
drücken Sie eine der beiden E-Saiten
am 5. Bund ab: So erhalten Sie den Ton A"
den Ton der dritten Balalaika-Saite.
Geschlagen
werden die Saiten zwischen Schallloch und Halsansatz,
gewöhnlich mit der Fingerkuppe des rechten Zeigefingers.
Man kann die Saiten auch mit einem
Plektron aus Filz oder Kunststoff anschlagen:
Manche Balalaikas klingen dann klarer
und manche Zeigefinger sind sehr dankbar dafür.
Die hier dargestellte Handstellung verändert sich
beim Schlagen nicht.
Die Bewegung geschieht ausschliesslich aus dem Handgelenk heraus,
ganz locker. Nur die Hand bewegt sich auf und ab,
der Arm bewegt sich nicht,
und die Fingerstellung der Hand verändert sich auch nicht.
Die Finger sind locker, keineswegs verkrampft;
ein Plektron dürfen sie nur gerade so fest halten,
dass es ihnen beim Spielen nicht wegrutscht.
Die Schlagtechnik der Balalaika
ist ähnlich wie bei anderen Saiteninstrumenten.
Wer also bereits Gitarre, Banjo, Ukulele, Mandoline usw.
spielt, wird mit der folgenden
Einführung in die Schlagtechniken
keine Schwierigkeiten haben.
Machen Sie bitte trotzdem mit!
Fangen wir gleich an:
Halten Sie die Balalaika in Spielhaltung!
Die linke Hand soll nur den Hals der Balalaika halten,
mehr hat sie hier nicht zu tun;
ihre Finger sollen die Saiten nicht mal berühren.
Die rechte Hand
schwebt erwartungsvoll über den Saiten
zwischen Halsansatz und Schallloch,
denn allein um sie geht es hier
wir können uns ganz auf die rechte Hand konzentrieren.
Für das Akkordspiel
sind die Taktschläge wichtig.
Die sollte jeder beherrschen,
der sich mit seinem Instrument
in eine gesellige Runde wagt,
wo sein Balalaikaspiel die Sangeslust weckt
und er unversehens alle möglichen Lieder
im Akkordspiel begleiten muss.
Die Balalaika kann ja durchaus
auch ein deutsches Volkslied,
ein englisches Sea-Shanty
oder ein italienisches Tanzliedchen
begleiten und mit ihrer hohen Tonlage
Gitarren- oder Akkordeonmusik
schön ergänzen.
Die dazugehörigen Akkordgriffe
für alle gängigen Tonarten
finden Sie später in der Grifftabelle im Anhang
jetzt aber wollen wir uns erstmal auf die Schlagtechnik
konzentrieren:
-
Schlägt man die Saitenakkorde im Takt an,
streicht die Schlaghand
von oben nach unten über die Saiten und wird danach,
ohne die Saiten zu berühren, nach oben zurückgeholt,
um beim nächsten Abwärtsschlag wieder die Saiten
anzureissen. Wir schlagen jetzt einen Vierertakt,
also je Takt vier gleichmässige Abwärtsschläge
zählen Sie mit:
Eins Zwei Drei Vier Eins Zwei Drei ...
-
Beim Vierertakt sind gewöhnlich der 1. und der 3. Schlag
betont, der 2. und der 4. Schlag klingen
etwas leiser.
Zählen Sie mit und betonen Sie beim Sprechen
und beim Schlagen die Eins und die Drei:
Eins Zwei Drei Vier Eins Zwei Drei ...
-
Um den strengen Taktschlag aufzulockern,
kann die Schlaghand auch bei der Aufwärtsbewegung
über die Saiten streichen hier zum Beispiel
nach dem 4. Schlag. Zählen Sie mit und ziehen Sie
bei "und" die Hand von unten nach oben über die Saiten:
Eins Zwei Drei Vier und Eins Zwei Drei ...
-
Wir können auch alle unbetonten Schläge verdoppeln.
Wenn wir diesen Schlagrhythmus kräftig üben und bald
schnell und exakt spielen können, klingt er wie ein
Reitergalopp:
Eins Zwei und Drei Vier und Eins Zwei und Drei ...
Welche dieser Schlagtechniken Sie wählen,
oder ob Sie besser einen neuen, eigenen Schlag erfinden
das hängt ganz vom
Charakter des Liedes
und vom Rhythmus der jeweiligen Melodie ab.
Beim Melodiespiel
ist der Anschlag der Saiten
noch stärker vom Melodieverlauf bestimmt,
weil auf jeden Ton der Melodie
ein eigener Schlag kommt.
Sie können den Melodieton ...
-
als einzelnen Ton "zupfen",
wobei nur die eine Saite mit dem Melodieton
einzeln mit dem Daumen oder einem Plektron von oben
nach unten angerissen wird, oder
-
als Akkord anschlagen,
wobei Melodieton und dazu passende Begleittöne
gleichzeitig mit einem Abwärts-Schlag
über alle Saiten
angeschlagen werden, oder
-
mit einem "Tremolo" anschlagen:
Dabei bewegt die Hand sich blitzschnell
auf und ab und reisst bei jeder
Abwärts- und auch
bei jeder Aufwärts-Bewegung die Saiten an,
so dass die Anschläge ganz schnell aufeinander folgen
und der Eindruck eines lang anhaltenden Klangs entsteht.
Der Tremolo-Schlag kann über alle drei Saiten geführt
werden und einen Akkord erklingen lassen
oder auch nur einen Einzelton
auf einer einzigen Saite tremolieren.
Probieren Sie all diese Techniken
einmal aus, und was noch nicht so gut klappt,
das können Sie ja
im Laufe dieses Lehrgangs immer wieder üben.
Besonders das Tremolo sollte man als Balalaikaspieler
beherrschen.
Fangen Sie gleich einmal damit an,
und achten Sie darauf,
dass auch hierbei Ihr rechter Arm sich nicht bewegt
und alle Bewegung nur aus dem Handgelenk kommt,
dass Ihr Handgelenk dabei absolut locker bleibt
und dass nur die Hand
schnell, und schneller, und noch schneller
auf und ab schwingt,
bis Sie diesen anhaltenden, gleichmässig schwirrenden
typischen Balalaikaklang erreicht haben
Sie können das Tremolo nach Belieben
in den Liedern einsetzen
und damit Ihren Liedvortrag interessant und
abwechslungsreich gestalten.
Gegriffen
wird
mit allen fünf Fingern der linken Hand,
also auch mit dem Daumen.
Hier umgreifen Daumen und Zeigefinger
den Hals der Balalaika
und drücken die beiden Aussensaiten,
die äussere E-Saite und die A-Saite,
am dritten Bund ab,
während die mittlere E-Saite
beim Anschlagen leer mitschwingt.
Probieren Sie's! Wenn alle Saiten klar klingen,
ergeben die Töne einen C-Dur-Akkord.
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Auch bei diesem Griff
greifen Daumen und Zeigefinger
um den Hals der Balalaika.
Der Daumen legt sich
am dritten Bund über beide E-Saiten,
während der Zeigefinger die A-Saite
am zweiten Bund abdrückt.
Versuchen Sie auch diesen Griff, bis alle Töne
klar erklingen. Dies ist der G-Dur-Griff
auf der Balalaika.
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Beide Griffe sind, neben der Handzeichnung,
auch noch einmal schematisch als Griffbild dargestellt.
Solch ein Griffbild wird von nun an über jeder Note
unserer Lieder stehen und Ihnen anzeigen,
wie Sie den betreffenden Ton des Liedes auf der Balalaika
greifen können.
Versuchen Sie jetzt einmal den Wechsel zwischen
diesen beiden Griffen:
C-Dur greifen
und prüfen:
Klingen alle Saiten?
Gut! Dann ...
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G-Dur greifen
und prüfen:
Klingen alle Saiten?
Gut! Dann ...
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C-Dur greifen
und prüfen:
Klingen alle Saiten?
Gut! Dann ...
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G-Dur greifen
und prüfen:
Klingen alle Saiten?
Gut ... usw.
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Eine gute Übung ist auch der Griffwechsel im Takt:
Schlagen Sie einen Vierertakt im C-Dur-Griff,
den nächsten im G-Dur-Griff,
den folgenden Takt wieder im C-Dur-Griff usw.
Zählen Sie mit, und wechseln Sie immer auf Eins:
C Zwei Drei Vier
G Zwei Drei Vier
C Zwei Drei Vier ...
Wenn Sie den Schlag durchhalten,
ohne dass der Griffwechsel Sie aus dem Takt bringt,
dann können Sie bereits
unser erstes Lied begleiten:
Unser erstes Lied: "Die Abendglocken"
Wir begleiten das Lied hier
mit den zwei Akkorden C-Dur und G-Dur.
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Die Abendglocken
bearbeitet für die Liedbegleitung mit zwei Griffen
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Vetsherni zvon,
vetsherni zvon,
kak mnoga dum
navodit on ...
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Der Klang der Abendglocken,
der Klang der Abendglocken,
wie viele Gedanken
ruft er hervor ...
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Dieses gemütvolle Lied wird langsam vorgetragen.
Schlagen Sie jeden Ton
in gemässigtem Tempo
mit einem einfachen Abwärts-Schlag an.
So haben Sie genug Zeit,
beim Griffwechsel die Fingerstellung zu verändern,
damit der neue Griff
gleich beim ersten Anschlag klar und rein klingen kann.
Spielen Sie das Liedchen bitte immer wieder
es hat viele Strophen!
Bald werden Sie die Griffe ohne Verzögerung
und schliesslich auch ohne Hinschauen wechseln können.
Die Melodie können Sie dazu summen, oder singen,
und: Singen Sie russisch!
Die deutsche Übersetzung dient hier immer
nur der Erklärung
des russischen Textes und ist selbst nicht singbar
russische Lieder wollen auf Russisch gesungen werden.
Um die russische Sprache mit unseren Buchstaben
darstellen zu können, wird hier
die international übliche Umschrift benutzt.
Gönnen Sie Ihren Fingern
mal eine Spielpause,
und lesen Sie sich im Anhang die Hinweise
zur russischen Aussprache Texte durch,
bevor sich hier böse Fehler einschleichen.
Und wenn Sie sich schliesslich ganz
auf den russischen Text konzentrieren können
und die Griffwechsel trotzdem tadellos klappen
dann können wir weitermachen.
Unser erstes Lied "Die Abendglocken" diesmal mit vier Griffen
Für eine etwas anspruchsvollere Begleitung
unseres Liedchens müssen wir noch zwei Griffe dazulernen,
denn für eine ordentliche Liedbegleitung in C-Dur
braucht man immer diese vier Griffe:
Die Griffe für C-Dur und G-Dur kennen wir schon.
Nur der G-Septim-Akkord "G7"
und der F-Dur-Akkord sind neu
und wollen noch ein bisschen geübt werden,
bevor Sie sich an die neue Begleitung unseres Liedchens
wagen:
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Die Abendglocken
bearbeitet für die Liedbegleitung mit vier Griffen
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Vetsherni zvon,
vetsherni zvon,
kak mnoga dum
navodit on ...
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Der Klang der Abendglocken,
der Klang der Abendglocken,
wie viele Gedanken
ruft er hervor ...
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Mit diesen vier Griffen können Sie nun praktisch jedes Lied
begleiten, das sich in der Tonart C-Dur
oder "in C", wie die Profis sagen
singen und spielen lässt.
Blättern Sie irgendein Liederbuch durch,
bei dem die Gitarrengriffe
über den Noten stehen,
und Sie werden eine ganze Reihe Lieder
finden, die Sie mit diesen vier Griffen begleiten können.
Und wenn Sie in einer Sing- und Spielgruppe musizieren,
bitten Sie darum, die Lieder möglichst "in C" zu spielen,
und lassen Sie sich von einem freundlichen Gitarristen
die Griffwechsel ansagen,
dann können Sie schon richtig mithalten.
Vielleicht möchten Sie nun
auch schon einmal verschiedene Arten ausprobieren,
die Saiten anzuschlagen:
Zuerst auf jeden Ton ein Schlag,
dann vielleicht ein kleines Tremolo
bei den langen Ganzenoten ...
Damit haben wir uns unser Liedchen für das Akkordspiel
erarbeitet und wagen nun einen ersten Schritt
in die hohe Kunst des Balalaikaspiels: in das Melodiespiel.
Unser erstes Lied "Die Abendglocken" im Melodiespiel
Wenn man sich ein Liedchen
für das Balalaika-Melodiespiel erschliessen will,
beginnt man immer damit,
dass man sich die Melodietöne auf der Balalaika zusammensucht
und sie so lange übt,
bis man die Melodie flott hintereinander weg zupfen kann.
Das Herausfinden der Melodie ist stets
der erste Schritt,
und wenn Sie mal Balalaika-Virtuose sind,
werden Sie es noch genau so machen.
Haben Sie schon einmal versucht,
die Melodie der "Abendglocken"
auf Ihrer Balalaika zu zupfen?
Versuchen Sie's!
Die folgenden Griffnotierungen zeigen Ihnen,
wo die Töne liegen.
Reissen Sie mit dem Daumen
oder, wie hier dargestellt, mit einem Plektron
immer nur die eine Saite an,
auf der der jeweilige Ton liegt:
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Die Abendglocken
Zupfen der Melodietöne
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Vetsherni zvon,
vetsherni zvon,
kak mnoga dum
navodit on ...
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Der Klang der Abendglocken,
der Klang der Abendglocken,
wie viele Gedanken
ruft er hervor ...
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Üben Sie das Zupfen ruhig ein bisschen,
bis Sie die Melodie fliessend abspielen können.
Vielleicht probieren Sie auch mal ein Tremolo auf einer Saite
im Balalaika-Orchester spielt die Prim-Balalaika
sehr häufig so die melodieführende Stimme,
und auch im Solo-Liedvortrag kann man
gut mal eine Partie nur auf einer Saite spielen.
Wenn man die Melodie auf der Balalaika zupfen kann,
ist
der zweite Schritt
stets,
zu jedem der Melodietöne einen Griff zu finden,
der auf den übrigen Saiten
eine passende Akkordbegleitung dazugibt.
Aus der Akkordbegleitung wissen wir:
C, G, G7 und F
sind die Akkorde der "Abendglocken"-Melodie,
und diese Akkorde behalten wir auch beim Melodiespiel
bei.
Aber auf dem langen Griffbrett der Balalaika
gibt es viele Möglichkeiten, diese Akkorde zu greifen
je nachdem, wo auf dem Griffbrett der Melodieton liegt,
den wir in den Akkord einbinden wollen:
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Diesen
C-Dur-Griff
kennen wir:
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Und auch dies
sind
C-Dur-Griffe
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Diesen
G-Dur-Griff
kennen wir:
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Und auch dies
sind
G-Dur-Griffe
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Diesen
G-Septim-Griff
kennen wir:
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Und auch dies
ist ein
G-Septim-Griff
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Diesen
F-Dur-Griff
kennen wir:
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Und auch dies
ist ein
F-Dur-Griff
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Haben Sie die neuen Griffe mal ausprobiert?
Üben Sie sie ein bisschen,
denn wir brauchen sie für unser Melodiespiel.
Wir werden jetzt jeden Ton der "Abendglocken"-Melodie einzeln
vorstellen und erklären,
wann und warum wir diese Griffe einsetzen:
Akkord
Notenbild
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Melodie-
ton
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Melodie-
griff
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Erklärung
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C
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Der erste Ton der "Abendglocken"-Melodie
liegt auf der E-Saite am dritten Bund.
Er soll zu einem C-Dur-Akkord ergänzt werden.
Wir könnten unseren alten C-Dur-Griff benutzen,
aber um den Melodieton zu verstärken,
greifen wir ihn doppelt und
legen dazu den Daumen über beide E-Saiten.
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F
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Der zweite Melodieton
auf der E-Saite am fünften Bund
soll in einen F-Dur-Akkord eingebettet werden.
Auch hier legen wir den Daumen über beide E-Saiten
und finden einen passenden Begleitton
für den Zeigefinger
auf der A-Saite am dritten Bund.
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G
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Den dritten Ton der Melodie
am dritten Bund der E-Saite
müssen wir zu einem G-Dur-Akkord ergänzen.
Da bietet sich der normale G-Dur-Griff an,
der den Melodieton sowieso
auf beiden E-Saiten greift
und schön stark erklingen lässt.
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C
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Der vierte Ton ist der tiefste,
den die Balalaika überhaupt spielen kann:
die leere E-Saite.
Auch er soll auf beiden E-Saiten erklingen,
um als Melodieton hervorgehoben zu werden.
Der Zeigefinger auf der A-Saite am dritten Bund
ergänzt den Klang zu einem C-Dur-Akkord.
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C
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Der nächste Ton unserer Melodie wird wieder
auf der E-Saite am dritten Bund gegriffen.
Auch hier wandeln wir den normalen C-Dur-Griff ab,
indem wir den Daumen über beide E-Saiten legen,
um den Melodieton stärker hervorzuheben.
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C
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Jetzt wenden wir einen kleinen Trick an:
Weil die Melodie hier nur einen Sprung nach oben macht
und danach zurückkehrt,
lassen wir die Hand
in der C-Dur-Griff-Position
und greifen darüber hinweg den hohen Melodieton
mit dem kleinen Finger auf der A-Saite.
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C
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Hier ist die Melodie zurückgesprungen,
und aus dem vorigen Griff
brauchten wir nur den kleinen Finger
von den Saiten zu heben:
Der Zeigefinger steht schon da,
wo der nächste Melodieton gegriffen wird,
und der C-Dur-Akkord ist auch schon vorbereitet.
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G
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Der Melodieton am fünften Bund der A-Saite
verlangt einen neuen Griff.
Dazu müssen wir die ganze Hand verschieben.
Wir greifen den Melodieton mit dem Zeigefinger
und legen den Daumen am siebten Bund über beide E-Saiten,
damit ein G-Dur-Akkord entsteht.
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G
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Der nächste Ton unserer Melodie
liegt auf der E-Saite am dritten Bund
und soll zu einem G-Dur-Akkord ergänzt werden.
Da eignet sich unser
altbekannter G-Dur-Griff.
Die beiden Saiten, auf denen der Daumen
den Melodieton greift,
könnten wir vielleicht etwas kräftiger anschlagen.
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G
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Hier lassen wir die Finger einfach
im G-Dur-Griff stehen, denn
sie greifen auch den nächsten Melodieton
am zweiten Bund der A-Saite.
Jetzt könnten wir vielleicht
die A-Saite etwas kräftiger anschlagen,
um diesen Melodieton hervorzuheben.
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G
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Auch hier bleibt die Hand noch
in der G-Dur-Griff-Position,
wir verwandeln unseren altbekannten
G-Dur-Griff nur ein bisschen
und greifen den nächsten Melodieton
am fünften Bund der A-Saite
mit dem Ringfinger.
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G7
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Jetzt müssen wir unsere Hand
in eine neue Position verschieben,
aber die Fingerstellung können
wir fast beibehalten,
um den Melodieton
im achten Bund der A-Saite
zu einem schönen G-Septim-Griff
zu ergänzen.
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G
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So, die Fingerakrobatik ist überstanden
jetzt kommen nur noch Griffe,
die wir schon gut kennen.
Den Melodieton im dritten Bund der E-Saite
greifen wir wieder mit unserem G-Dur-Griff.
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F
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Hier liegt der Melodieton
im fünften Bund der E-Saite.
Wir ergänzen ihn, wie schon zu Anfang des Liedes,
mit dem Zeigefinger am zweiten Bund der A-Saite
zum F-Dur-Griff.
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G7
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Unser altbekannter G-Septim-Griff
greift den Melodieton auf der A-Saite
am zweiten Bund.
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C
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Und mit unserem guten alten C-Dur-Griff
greifen wir den letzten Ton unserer Melodie auf der A-Saite
am dritten Bund.
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Nun ist es nur noch ein kleiner Schritt,
die Melodiegriffe
aneinanderzufügen und die Melodie
auf Ihrer Balalaika erklingen zu lassen.
Hier ist
zum letzten Mal, und jetzt auch mit dem vollen Text
das schöne russische Volkslied
"Die Abendglocken",
bearbeitet für die hohe Kunst
des Balalaikaspiels: das Melodiespiel!
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Die Abendglocken
bearbeitet für das Melodiespiel
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Vetsherni zvon,
vetsherni zvon,
kak mnoga dum
navodit on ...
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Der Klang der Abendglocken,
der Klang der Abendglocken,
wie viele Gedanken
ruft er hervor ...
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O yunýkh dnyakh
f krayu radnom,
gdye ya lubyil,
gdye otshi dom.
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Über die Tage der Jugend
im heimatlichen Kreise,
wo ich liebte,
wo mein Vaterhaus stand.
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I kak ya, snim
navyek prastyas,
tam slýshal zvon
f pasledni ras.
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Und wie ich, von ihm
für immer Abschied nehmend,
dort den Klang
zum letzten Mal hörte.
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I skolkikh nyet
uzhe v zhivýkh,
tagda vesyolýkh
maladýkh.
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Und wie viele
schon nicht mehr am Leben sind,
die damals fröhlich
und jung waren.
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I krepok ikh
magilný son,
nye slýshen im
vetsherni zvon.
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Fest ist
ihr Schlaf im Grabe,
den Klang der Abendglocken
hören sie nicht mehr.
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(Hinweise zur russischen Aussprache im Anhang!)
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Sehr schön klingt es,
wenn Ihr Melodiespiel
begleitet wird von einem anderen Instrument,
z.B. einer zweiten Balalaika oder einer Gitarre,
die einfach die Akkorde spielt,
die hier mit roten Buchstaben
über den Noten stehen.
Dabei sind diese Akkorde allerdings verbindlich.
Ihr Begleiter kann sie nicht einfach
durch andere Akkorde ersetzen,
die seiner Meinung nach besser passen.
Sie müssten sich dann schon beide auf
die neuen Akkorde einigen.
Das ist durchaus möglich.
Wir haben ja gesehen,
dass man ein Lied sehr wohl
auf verschiedene Weise begleiten kann:
Sie erinnern sich, dass wir die "Abendglocken"-Melodie
erst mit zwei Akkorden begleitet haben
das war nicht falsch, nur etwas simpel.
Mit unseren vier Begleitakkorden kann man
der Liedmelodie viel mehr Ausdruck verleihen.
Nur was man da ausdrücken will,
das ist etwas sehr Individuelles:
das ganz persönliche Liedverständnis.
In der Weise, wie jemand ein Lied spielt,
bringt er immer auch
seine ganz persönliche Liedinterpretation
zum Ausdruck, und das geht bis hin zu den Harmonien,
in die er die Melodie einbettet.
Die hier in unseren Liedbeispielen vorgegebenen Akkorde
sind also nicht die einzig möglichen.
Was oben schon über Schlagtechniken
und Griffkombinationen gesagt wurde,
gilt auch für die Akkordbegleitung:
Die hier aufgezeichnete Spielweise unserer Lieder
ist immer nur ein Vorschlag, keine Vorschrift!
Unser zweites Lied: "Stenka Rasin"
Auch diese eingängige Melodie ist
seit langem über Russland hinaus bekannt geworden.
Freunde russischen Wodkas haben
in vielen Sprachen Trinklieder wie
"Vodka, Vodka, drink of heaven,
Vodka, Vodka, drink of hell" daraus gemacht,
und auch bei uns wurde die Weise verschiedentlich
mit deutschen Texten unterlegt,
z.B. 1920 für die komisch-schaurige Räuberballade
"Durch des Huywalds tiefste Gründe" verwandt
oder 1960 gar für die Schlagerschnulze
"Wer das Scheiden hat erfunden".
Doch in Wirklichkeit erzählt unser neues Lied von
einem russischen Volkshelden,
dem Kosaken-Ataman Stepan ('Stenka') Timofejewitsch Rasin,
der sich mit seinen Donkosaken
1667 an die Spitze des grössten Bauernaufstandes setzte,
den das russische Zarenreich je erlebte.
Von der Ukraine bis zur Wolga,
vom Schwarzen Meer bis nach Mittelrussland
erhoben sich die Bauern
gegen Leibeigenschaft,
Ausbeutung und feudale Willkürherrschaft.
Erst 1671 konnten die Armeen des Zaren
den Aufstand blutig niederschlagen,
Stenka Rasin wurde gefangen und
auf dem Roten Platz in Moskau gevierteilt.
Doch in den Legenden des Volkes blieb er lebendig,
in Romanen und Filmen,
in Sinfonien von Glasunow und Schostakowitsch
und in diesem Lied, in dem Stenka Rasin
als grimmig entschlossener
Freiheitskämpfer sehr drastisch unter Beweis stellt,
dass er alles, Liebe und Leben, zu opfern bereit ist
für den Kampf gegen Knechtschaft und Unterdrückung.
Sie könnten sich diese Melodie nun eigentlich
ohne weitere Erklärung selbst erarbeiten,
denn es werden auch hier nur unsere bekannten Akkorde verwendet.
Aber einige Griffe sind neu,
und die Fingersätze sind doch etwas kniffelig,
darum werden wir nun erst Zeile für Zeile besprechen,
ehe wir dann das Lied als ganzes vorstellen.
Wenn Sie jetzt gleich mitspielen und
jede Zeile einzeln einüben,
haben Sie es dann leichter!
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In der ersten Liedzeile sind uns alle Griffe
bereits vertraut.
Wie in allen Zeilen dieses Liedes,
so werden auch hier
die ersten zwei Melodietöne
mit dem Daumen auf den E-Saiten gegriffen,
die weiteren Töne der Zeile jedoch
mit den Fingern auf der A-Saite.
Um die Melodie hervorzuheben,
könnten wir daher in jeder Zeile
bei den ersten beiden Melodietönen
verstärkt die E-Saiten anschlagen
und bei den folgenden Tönen die A-Saite betonen.
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Die zweite Melodiezeile beginnen wir, wie die erste,
mit unserem G-Dur-Griff,
bei dem wir bevorzugt die E-Saiten anschlagen.
Dann jedoch macht die Melodie einen grossen Sprung nach oben,
und wir verschieben die ganze Hand:
Der Daumen rutscht vom dritten zum siebten Bund
und bleibt dort, während wir mit den Fingern
die Melodietöne auf der A-Saite greifen.
Erst beim letzten Ton wechselt der Daumen
in den achten Bund und greift zusammen mit dem
Zeigefinger einen neuen C-Dur-Griff,
den wir uns merken wollen.
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Fast die ganze dritte Zeile hindurch kann der Daumen
am achten Bund bleiben.
Auch diesmal greift er
mit den ersten beiden Griffen
die Melodietöne,
weswegen wir hier wieder
verstärkt die E-Saiten anschlagen.
Danach ist der Ton des Daumens
nur noch Begleitton für
das Melodiespiel der Finger auf der A-Saite.
In unserer Notierung rutscht er aber
beim vorletzten Ton kurz in den siebten Bund,
damit hier ein schöner G-Dur-Akkord erklingt,
bevor er zum achten Bund zurückkehrt und die
Zeile mit unserem neuen C-Dur-Griff abschliesst.
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Die letzte Melodiezeile beginnen wir wieder
mit unserem G-Dur-Griff
und schlagen verstärkt
den Melodieton auf den E-Saiten an.
Danach folgt die Hand der Melodie
bei ihrem Sprung nach oben
in unseren neuen C-Dur-Griff,
greift die folgenden Melodietöne
mit Griffen, die wir schon kennen,
und kehrt für die letzten zwei Töne des Liedes
wieder in die Ausgangslage zurück.
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Nehmen Sie sich Zeit
bei der Erarbeitung der einzelnen Zeilen.
Sie werden bemerken, dass manch ein Melodieton,
der mehrfach vorkommt,
auf ganz verschiedene Weise gegriffen werden kann, denn
wir wählen stets die günstigste Griffkombination.
Zudem versuchen wir,
die Lage der linken Hand so wenig wie möglich
zu verändern,
weil das Entlangrutschen am Hals
in eine neue Position jedesmal
Zeit und besondere Aufmerksamkeit kostet.
Und ist Ihnen die famose Technik aufgefallen,
den Daumen auf einem Begleitton stehen zu lassen
und mit flinken Fingern die Melodietöne dazu
zu greifen?
Diese Technik ist typisch für das Balalaikaspiel,
sie wird Ihnen bei den folgenden Liedern
immer wieder begegnen.
Dadurch, dass der Daumen den Begleitton hält,
haben wir vier Finger frei für die Melodie:
Das ermöglicht uns ein schnelles und mit der Zeit auch
müheloses Spiel.
Wenn Sie die vier Melodiezeilen nun aneinander reihen,
können Sie ohne Probleme das
ganze Lied spielen:
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Stenka Rasin
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Iz za ostrova na strezhen,
na prostor ryetshnoi volný
výplývayut raspyisnýe
ostrogrudnýe tshelný.
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Hinter der Insel hervor auf den Strom,
auf die weite Fläche der Wogen
schwimmen bunt bemalte
Kähne mit spitzem Bug.
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Na pyeryednem Styenka Razin
obnavshis sidyit s knyazhnoi,
svadbu novuyu spravlyayet,
on vesyolý i khmelnoi.
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Auf dem ersten sitzt Stenka Rasin,
hält die Fürstin umarmt,
er feiert seine neue Hochzeit,
er ist fröhlich und berauscht.
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Posadi ikh slýshen ropot:
"Nas na babu promenyal!
Tolko notsh s nyey provozhalsya,
sam na utro baboi stal!"
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Hinter ihnen hört man Gemurmel:
"Er hat uns mit dem Weib vertauscht!
Nur eine Nacht hat er mit ihr verbracht
und am Morgen ist er selbst zum Weib geworden!"
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Etot ropot i nasmeshki
slýshit grozný ataman,
i on moshtshnoyu rukoyu
obnyal persianki stan.
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Dieses Gemurmel und Gespött
hört der grimmige Ataman,
und mit mächtigem Arme
umfasst er die Figur der Perserin.
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Brový tshornýe soshlisya,
nadvigayetsya graza,
buinoi krovyu nalilisya
atamanový glaza.
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Die schwarzen Augenbrauen ziehen sich zusammen,
ein Gewitter zieht herauf,
heisses Blut schiesst
dem Ataman in die Augen.
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"Fsyo otdam, nye pozhaleyu,
buinu golovu otdam!"
razdayotsya golos vlastný
po okrestným byeregam.
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"Alles will ich geben, ich werde es nicht bedauern,
selbst mein wildes Haupt will ich hergeben!"
schallt seine mächtige Stimme
über die benachbarten Ufer.
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A ana, patupya otshi,
nye zhýva i nye myertva,
moltsha slushayet khmelnýe
atamanový slava:
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Und sie, mit niedergeschlagenen Augen,
mehr tot als lebendig,
vernimmt schweigend die berauschten
Worte des Atamans:
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"Volga, Volga, mat rodnaya,
Volga, ruskaya ryeka,
nye vidala tý padarka
ot donskovo kazaka!
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"Wolga, Wolga, liebe Mutter,
Wolga, du russischer Strom,
du hast noch kein Geschenk gesehen
von einem Donkosaken!
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I shtob nye býlo razdora
myezhdu volnými ludmi,
Volga, Volga, mat rodnaya,
na krasavitsu, primi!"
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Und damit keine Zwietracht herrsche
unter freien Menschen,
Wolga, Wolga, liebe Mutter,
wegen eines schönen Mädchens nimm du es!"
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Moshtshným vzmakhom podýmayet
on krasavitsu-knyazhnu
i za bort yeyo brosayet
v nabezhavshuyu volnu.
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Mit machtvollem Schwung hebt er
die schöne Fürstin hoch
und wirft sie über Bord
in die heraneilenden Wogen.
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"Shtosh vý tshortý priumýli?
Ey, tý, Filka, schut, plyashi!
Griyanyem, bratsý, udaluyu
na pomyin yeya dushi!"
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"Was lasst ihr Teufel den Kopf hängen?
He, du, Filka, los, tanze!
Singen wir, Brüder, was Verwegenes
zum Gedenken an ihre Seele!"
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Iz za ostrova na strezhen,
na prostor ryetshnoi volný
výplývayut raspyisnýe
Styenki Razina tshelný.
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Hinter der Insel hervor auf den Strom,
auf die weite Fläche der Wogen
schwimmen die bunt bemalten
Kähne Stenka Rasins.
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(Hinweise zur russischen Aussprache im Anhang!)
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Das Lied zu Ehren des grossen Volkshelden
wird stets langsam, fast feierlich vorgetragen.
Sie haben also Zeit,
alle Finger sicher zu plazieren,
bevor Sie einen Griff anschlagen,
und dann hören Sie genau hin:
Sie sollten erst mit sich zufrieden sein,
wenn die Griffe rasch und sicher wechseln
und alle Saiten sauber klingen.
Und damit auch die Akkordbegleitung nicht vergessen wird:
Begleiten Sie auch dieses Lied
einmal mit den Akkorden,
die in roten Buchstaben über den Noten stehen.
Hier sind noch einmal die Griffe,
die Sie für eine Begleitung "in C" brauchen:
Unser drittes Lied: "Mondschein"
Dieses fröhliche, ausgelassene Tanzliedchen
nutzt durchweg die famose Technik
des Melodiespiels flinker Finger
über ausgehaltenen Daumen-Begleittönen.
Anfangs sind die Fingersätze
nicht ganz einfach,
nach etwas Übung aber
gestatten sie ein rasantes Melodiespiel.
Das ist auch nötig,
denn hier geht die Post ab ...
Es sind verschiedene Textversionen bekannt,
und alle sind witzig, schelmisch, frech.
Aus aktuellem Anlass kann man auch
rasch noch ein paar neue Verse hinzudichten,
denn die Texte sind in Form und Inhalt recht anspruchslos.
Das ist wohl auch der Grund,
warum dieses Lied oft nur instrumental vorgetragen wird
wichtiger als der Text ist allemal die schmissige Melodie.
Kaum ein Balalaika-Orchester lässt es sich nehmen,
dieses Liedchen auf seine Weise zu gestalten.
Der Liedvortrag beginnt stets langsam
und steigert das Tempo von Strophe zu Strophe,
bis die Finger nur so über die Saiten wirbeln ...
Erst wenn der letzte Tänzer atemlos aufgibt,
fängt ein langes Tremolo der Balalaika
das rasante Tempo auf,
und eine letzte Strophe, betont langsam und
mit kokett akzentuiertem Rhythmus,
zelebriert die hübsche Melodie ein letztes Mal,
steigert sich dann doch wieder rasch zum Wirbelsturm
und endet abrupt mit einem gewaltigen Schlag.
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Mondschein
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Mnye nye spitsya, nye lezhitsya,
i son minya nye biryot.
Ya s-khadil bý k Sashe v gosti,
da nye znayu gdye zhývyot.
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Ich kann nicht einschlafen, nicht liegen bleiben,
der Schlaf will nicht kommen.
Jetzt würde ich Sascha gern besuchen,
doch ich weiss nicht, wie ich hinkomme.
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Ya s-khadil bý k Sashe w gosti,
da nye znayu gdye zhývyot.
Paprosil bý tovarisha
moi tovarish dovidyot.
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Jetzt würde ich Sascha gern besuchen,
doch ich weiss nicht, wie ich hinkomme.
Ich könnte ja meinen Freund fragen,
der würde mich sicher hinführen.
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Paprosil bý tovarisha
moi tovarish dovidyot.
No tovarish lutshe, krashe,
bayus, Sashu atabyot.
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Ich könnte ja meinen Freund fragen,
der würde mich sicher hinführen.
Aber mein Freund ist besser, schöner,
ich hab Angst, er macht mir Sascha abspenstig.
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Svetit myesyats, svetit yasný,
svetit byelaya zarya,
osvetila put'-daroshku
vdol do Sashina dvora.
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Es scheint der Mond, er scheint so klar,
er scheint weiss und hell,
und er beleuchtete mir Weg und Pfad
bis hin zu Saschas Gehöft.
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Padkhazhu ya k Sashe, k domu,
no agnya u Sashi nyet.
Pastutshal ya pod okoshkom
moya Sasha krepko spit.
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Und wie ich hinkomme zu Saschas Haus,
sehe ich, da brennt schon kein Licht mehr.
Ich klopfte an das Fensterchen
meine Sascha schlief tief und fest.
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"Stýdno, stýdno tibye, Sasha,
so vetshera rano spat'!"
"A tibye, moi drug, stýdnyeye
do polunotshi gulyat'!"
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"Schäm dich, schäm dich, Sascha,
so früh am Abend schon zu schlafen!"
"Aber du, mein Freund, solltest dich erst recht schämen,
bis Mitternacht um die Häuser zu ziehen!"
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(Hinweise zur russischen Aussprache im Anhang!)
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Vielleicht haben Sie es gar nicht bemerkt:
Unversehens sind wir hier in die neue Tonart A-Dur eingestigen.
Hier sind die Griffe für eine Akkordbegleitung in A-Dur:
Die Akkordgriffe für A-Dur sollte man schon kennen,
denn der Grundton dieser Tonart ist A, und das ist auch der
Grundton der Balalaika-Melodiespiel-Saite.
Darum lassen sich viele Melodien recht vorteilhaft
in A-Dur spielen.
Begleiten Sie zur Übung die "Mondschein"-Melodie
doch auch mal nur mit Akkorden.
Unser viertes Lied: "Wie Wacholder auf dem Berge"
Hier kommt wieder ein flottes Tanzliedchen.
Es hat auch diesen charakteristischen Zweivierteltakt,
den wir schon bei "Mondschein" kennengelernt haben.
Da ist praktisch jeder Schlag im Takt betont
es gibt keine Atempause, kein Ausruhen,
Schlag auf Schlag kommt die Melodie daher
und rüttelt durch ihren markanten,
in jeder Liedzeile wiederkehrenden Rhythmus jeden auf.
Der Text verrät uns einen uralten Liebeszauber:
"Kalina", der männlich-herbe wilde Wacholder,
und "Malina", die weiblich-süsse,
im Garten gehütete Himbeere
waren die heiligen Pflanzen
der Göttin Ljuli,
die im altslawischen Götterhimmel
neben dem Sonnengott Dashd-Bog,
dem Donnergott Perun und dem Hirtengott Weles
zuständig war für die Erde,
für Fruchtbarkeit und Wachstum
und den Frühling und die Liebe
und damit offenbar die Lieblingsgöttin
des russischen Bauernvolkes war,
denn sie wird noch heute
in dem weithin bekannten Lied "Kalinka" und
in vielen anderen russischen Volksliedern besungen.
So konnte die freundliche heidnische Göttin
ein Jahrtausend russisch-orthodoxer Staatskirche
fröhlich überleben,
denn das Volk liess sich den Spass
an seinen uralten Bräuchen und Liedern
nicht verderben:
"Wen geht das etwas an ...?"
Hier ziehen die jungen Mädchen im Frühling auf den Berg,
brechen frische Wacholderzweige, streuen sie auf den Weg
und die verständnisvolle Göttin Ljuli
weiss, was Mädchen wünschen:
Prompt kommt ein verwegener Bursch
darüber hergeritten und zwinkert ihnen zu ...
Auch diese Melodie spielen wir in A-Dur.
Streckenweise gleitet sie jedoch in E-Dur-Harmonien
hinüber, darum
sollen hier kurz die Griffe für eine E-Dur-Akkordbegleitung
vorgestellt werden:
Beim Melodiespiel kommen die E-Dur-Akkorde
vor allem im Zusammenhang mit anderen Tonarten
vor; als Grundtonart einer Melodie wird E-Dur
bei der Balalaika kaum gebraucht.
E-Dur ist jedoch eine beliebte Singlage:
In einer Singgruppe werden viele Lieder "in E" angestimmt,
darum lohnt es schon,
sich für die Akkordbegleitung dieser Lieder
die E-Dur-Griffe einzuprägen.
Nun aber endlich zu unserem neuen Lied:
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Wie Wacholder auf dem Berge
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Kak na gorje kalina,
kak na gorje kalina ...
Nu shtozh, komu djelo, kalina?
Nu komu kakoje djelo, kalina?
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Wie auf dem Berge der Wacholder wächst,
wie auf dem Berge der Wacholder wächst ...
Wen geht das etwas an, dass da Wacholder wächst?
Wen geht das etwas an, dass da Wacholder wächst?
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Pod goroju malina,
pod goroju malina!
Nu shtozh, komu djelo, malina?
Nu komu kakoje djelo, malina?
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So wächst am Fusse des Berges die Himbeere,
so wächst am Fusse des Berges die Himbeere!
Wen geht das etwas an, dass da die Himbeere wächst?
Wen geht das etwas an, dass da die Himbeere wächst?
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Tam djevitsy guljali,
tam krasnyje guljali.
Nu shtozh, komu djelo, guljali?
Nu komu kakoje djelo, guljali?
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Dort gingen die Mädchen,
dort gingen die Schönen.
Wen geht das etwas an, dass sie da gingen?
Wen geht das etwas an, dass sie da gingen?
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Kalinushku lomali,
kalinushku lomali.
Nu shtozh, komu djelo, lomali?
Nu komu kakoje djelo, lomali?
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Sie brachen den guten Wacholder,
sie brachen den guten Wacholder.
Wen geht das etwas an, was sie da brachen?
Wen geht das etwas an, was sie da brachen?
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Na dorozhku brosali,
na dorozhku brosali.
Nu shtozh, komu djelo, brosali?
Nu komu kakoje djelo, brosali?
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Sie streuten ihn auf den Weg,
sie streuten ihn auf den Weg.
Wen geht das etwas an, was sie da streuten?
Wen geht das etwas an, was sie da streuten?
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Jekhal parin udaloj,
jekhal parin udaloj.
Nu shtozh, komu djelo, udaloj?
Nu komu kakoje djelo, udaloj?
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Ein verwegener Bursche kam geritten,
ein verwegener Bursche kam geritten.
Wen geht das etwas an? Er war verwegen!
Wen geht das etwas an? Er war verwegen!
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Mignul djevke maladoj,
mignul djevke maladoj.
Nu shtozh, komu djelo, maladoj?
Nu komu kakoje djelo, maladoj?
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Er zwinkerte einem jungen Mädchen zu,
er zwinkerte einem jungen Mädchen zu.
Wen geht das etwas an? Sie war jung!
Wen geht das etwas an? Sie war jung!
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(Hinweise zur russischen Aussprache im Anhang!)
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Üben Sie auch hier die Akkordbegleitung.
Bei Sext-Akkorden, wie hier E6,
können Sie den im Lied dazu angezeigten Griff übernehmen
oder einfach den reinen Dur-Akkord, hier also E-Dur, spielen.
Unser fünftes Lied: "Die Petersburger Strasse entlang"
Strahlend beginnt diese Melodie
und endet so traurig:
Der da mit seiner Troika mit klingendem Glöckchen
über die Petersburger Strasse davonrauscht,
hinein ins Twerskoj-Jamskoj,
das verrufenste Viertel
des alten Moskau das ist der Liebste,
der seine Dunja verlassen hat ...
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Die Petersburger Strasse entlang
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Vdol po Piterskoi,
po darozhinkye,
po Tverskoi-Jamskoi
s kalakoltshikom ...
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Die Petersburger Strasse entlang,
über den Weg
zum Twerskoj-Jamskoj-Viertel
mit klingendem Glöckchen ...
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Pyishit milinikoi
ko mnye gramotku,
ko mnye gramotku,
vyest' nye radostnu:
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Schreibt er der Liebsten,
mir, ein Briefchen,
ein kleines Briefchen an mich,
eine traurige Nachricht:
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"Nye sidyi, Dunya,
pozno vetsherom,
tý nye zhgi svyetshi
vosku yarovo!
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"Sitze nicht, Dunja,
noch spät abends,
und zünde nicht die Kerzen
aus Wachs an!
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Tý nye zhgi svyetshi
vosku yarovo
tý nye zhdi k sibye
druga milovo!"
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Brenne nicht die Kerzen
aus Wachs
und warte nicht mehr
auf deinen Geliebten!"
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Vdol po Piterskoi,
po darozhinkye,
po Tverskoi-Jamskoi
s kalakoltshikom ...
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Die Petersburger Strasse entlang,
über den Weg
zum Twerskoj-Jamskoj-Viertel
mit klingendem Glöckchen ...
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(Hinweise zur russischen Aussprache im Anhang!)
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Wenn Sie am Ende dieser Melodie
auch das Gefühl hatten: "Da muss doch noch was kommen!",
dann haben Sie ganz Recht.
Dieses Lied hat
nämlich eine sehr seltene Eigenart:
Es hat kein Ende!
Nach unserem musikalischen Empfinden
muss ein Lied mit dem Grundton,
zumindest aber in der Grundtonart enden:
Wenn wir also eine Melodie in A-Dur spielen,
müsste sie auch mit dem Ton A
oder wenigstens mit einer A-Dur-Harmonie abschliessen,
damit der Spannungsbogen der Melodie zur Ruhe kommt.
Aber diese A-Dur-Melodie endet eindeutig
mit dem Ton E und einer E-Dur-Harmonie:
Die Melodiespannung wird am Ende nicht aufgelöst,
sondern überträgt sich auf die nächste Strophe;
die beginnt tatsächlich in A-Dur
und löst damit die Spannung für einen Moment,
aber baut gleich wieder einen neuen Spannungsbogen auf,
der am Ende wiederum offen bleibt
und keine Entspannung bringt,
wenn man nicht auch hier gleich wieder
noch eine Strophe anhängt ...
So pflanzt die ungelöste Melodiespannung sich fort
von Strophe zu Strophe.
Sie bleibt das ganze Lied hindurch im Raume stehen,
wie eine Frage, die vergebens auf Antwort wartet,
wie eine ungestillte Sehnsucht
wie die unerwiderte Liebe,
die hier besungen wird.
Erst ganz am Ende,
wenn alle Strophen gespielt sind,
könnte man dieses Lied doch noch
zu einem harmonischen Abschluss bringen,
wenn man
den Melodieanfang noch einmal kurz anspielt
und in A-Dur ausklingen lässt
nur die oberste Liedzeile
"Die Petersburger Strasse entlang":
Vielleicht kommt der Liebste ja
auf diesem Wege auch wieder zurück?
Unser sechstes Lied: "Suliko"
Dieses Lied voller Gemüt und Märchenzauber
stammt aus dem Kaukasus.
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Suliko
bearbeitet für das Melodiespiel in A-Dur
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Ya mogilu miloi iskal,
no yeyo naiti nye lekhko.
Dolgo ya tomilsja i stradal.
Gdye zhe tý, maya Suliko?
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Ich suchte das Grab meiner Liebsten
aber es war nicht leicht, es zu finden.
Lange litt ich Qual und Leid.
Wo bist du bloss, meine Suliko?
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Rozu po puti vstretil ya
f poiskakh uidya daleko.
"Roza pozhaley, utyesh minya,
nyet li u tibya Suliko."
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Ich traf eine Rose unterwegs
auf meiner Suche weit entfernt.
"Bitte, liebe Rose, tröste mich:
Ist Suliko nicht vielleicht bei dir?"
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Roza naklonivshis slekhka,
svoi buton paskrýv shiroko.
Tikho prosheptala mnye tagda:
"Nye naiti tibye Suliko."
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Die Rose neigte sich leicht herab
und öffnete ihre Knospe breit.
Leise flüsterte sie mir dann zu:
"Du musst Suliko nicht finden."
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Sredi roz dushistýkh, f teni
zvonko pyesnyu pel solovyey.
Ya u solovya tagda sprasil
Suliko gdye on pritail.
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Zwischen den duftenden Rosen, im Schatten,
sang eine Nachtigall so klangvoll ihr Lied.
Da fragte ich die Nachtigall,
wo sie Suliko verborgen hielt.
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Soloveyka vdrug zamoltshal,
rozu klyuvom tronul lekhko:
"Tý nashol, shto ishtshesh", on skazal,
"vyetshným snom zdyes spit Suliko."
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Die kleine Nachtigall verstummte plötzlich,
berührte leicht die Rose mit dem Schnabel:
"Du hast gefunden, was du suchst", sagte sie.
"Suliko schläft hier in ewigem Schlaf."
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(Hinweise zur russischen Aussprache im Anhang!)
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Wer weiss heute noch,
dass dieses schlichte Liedchen
mit der sehnsuchtsvollen Melodie
alle Höhen und Tiefen einer politischen Karriere
durchmachen musste?
Da das Lied, wie Stalin, aus Georgien stammt,
galt es lange als "Stalins Lieblingslied"
und wurde oft und überall gesungen.
Als man 1956 in der Sowjetunion begann, mit
Stalins Personenkult aufzuräumen,
verschwand auch "Suliko" plötzlich in der Versenkung
und wurde lange Zeit gemieden ...
Doch heute lebt eine neue Generation,
die wieder einen unbelasteten, unverkrampften Zugang
zu diesem Liedchen findet
und es singt
einfach weil "Suliko" ein schönes Lied ist.
Die Melodie ist hier in A-Dur notiert,
und Sie haben sich tapfer und geduldig
die höchsten Höhen
der Balalaika erobert
das ist gut so, denn so hohe Töne
kommen auch in anderen Liedern
immer wieder mal vor.
Aber dass hier die halbe Melodie
hoch über dem zehnten Bund gespielt werden muss,
ist vielleicht etwas zu viel des Guten.
Darum folgt jetzt die "Suliko"-Melodie noch einmal
in einer anderen Tonart:
Hier ist sie in D-Dur notiert,
und vielleicht möchten Sie das Lied lieber so spielen.
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Suliko
bearbeitet für das Melodiespiel in D-Dur
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Leider können wir nicht jede Melodie
so einfach in eine andere Tonart transponieren
und uns dadurch die Spieltechnik erleichtern.
Die Balalaika hat zwar einen langen Hals
und viele Bünde für viele Töne,
aber ihre Tonspanne ist natürlich begrenzt
auf kaum zwei Oktaven, um genau zu sein.
Das genügt, denn
weiter reicht eine normale Singstimme auch nicht,
und die "Suliko"-Melodie mit ihrem geringen Tonumfang
von nur sieben Tönen lässt sich
gleich mehrfach darin unterbringen.
Andere russische Volkslieder aber schöpfen
den Tonumfang der Balalaika voll aus
und sind nur zu spielen,
wenn wir etwas herumprobieren
und herausfinden,
in welcher Tonart die Melodie "auf die Balalaika passt"
"Stenka Rasin" zum Beispiel
lässt sich nur in C-Dur spielen,
die "Petersburger Strasse" dagegen nur in A
und unser nächstes Lied
vom "Eintönigen Glöckchen" nur in D-Dur.
Zuvor aber sollen hier noch kurz die
Griffe für eine einfache Akkordbegleitung
in unserer neuen Tonart D-Dur zusammengefasst werden.
Sie sind uns alle schon einmal begegnet.
Aber um sie als D-Dur-Griffe zu üben
und einzuprägen,
können Sie "Suliko" und auch unser nächstes Lied
einfach auch mal nur mit Akkorden begleiten.
Unser siebtes Lied: "Eintönig klingt das Glöckchen"
Dieses gefühlvolle Lied ist auch bei uns
sehr bekannt geworden. Hier sind es nicht
die Abendglocken,
die vertraute Erinnerungen wachrufen,
sondern das kleine eintönige Glöckchen einer Troika.
Die Troika das ist das typisch russische Dreigespann:
Drei Pferde sind nebeneinander vor einer
Kutsche oder einem Schlitten angeschirrt.
Das mittlere Pferd läuft in einer Gabeldeichsel,
deren Stangen vorn zusammengehalten werden
durch einen hölzernen Bogen,
der sich hoch über den Pferderücken wölbt.
Oben in diesem Bogen hängt stets ein Glöckchen,
das während der Fahrt ständig bimmelt
und die Pferde in Trab hält.
Mit drei Pferden vor
einem meist nur leichten Gefährt
ist die Troika so schnell wie kein anderes Gespann.
So jagt die Troika dahin
auf staubiger Landstrasse,
und der Mann auf dem Kutschbock singt
ein trauriges Lied
da muss einem doch das Herz aufgehen!
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Eintönig klingt das Glöckchen
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Adnazvutshno gremit kalakoltshik,
i daroga pýlitsa slekhka,
i unýlo po rovnomu polyu
razlivayetsa pyesn yamshtshika.
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Eintönig klingt das Glöckchen,
und der Weg staubt leicht,
und traurig über die weite Flur
ergiesst sich das Lied des Kutschers.
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Stolko tshufstva v toi pyesnye unýloi,
stolko tshufstva v napyewe radnom,
schto v grudyi moyey khladnoi, astýloi,
razgaryelosya sertse agnyom.
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So viel Gefühl lag in diesem traurigen Lied,
so viel Gefühl in der vertrauten Weise,
dass in meiner kühlen, kalt gewordenen Brust
das Herz in Flammen aufging.
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I pripomnil ya notshi drugiye
i rodnýe palya i lyesa,
i na otshi, davno uzh sukhiye,
nabyezhala, kak iskra, slyeza.
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Und ich erinnerte mich an andere Nächte,
und an die heimatlichen Felder und Wälder,
und in meine lang schon trockenen Augen
trat, wie ein Funke, eine Träne.
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Adnazvutshno gremit kalakoltshik,
izdali otdavayas slekhka,
i umolk moi yamshtshik, a daroga
predo mnoi daleka, daleka.
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Eintönig klingt das Glöckchen,
von fern schallt leis sein Widerhall zurück,
und mein Kutscher ist verstummt, doch der Weg,
der vor mir liegt, ist noch so weit, so weit.
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(Hinweise zur russischen Aussprache im Anhang!)
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Das Notenbild zeigt eine künstlerische Bearbeitung
der alten Volksweise durch A.Sweschnikow;
mit seinen zu Triolen gebundenen Achtelnoten
sieht es sehr kompliziert aus.
Aber lassen Sie sich dadurch nicht abschrecken.
Hören Sie, wie russische Chöre
dieses Lied vortragen: stets langsam,
sehr gefühlsbetont
und dementsprechend auch rhythmisch sehr frei gestaltet
genau so gefühlvoll
und frei sollten Sie's auch spielen!
Unser achtes Lied: "Helles Gesicht, rundes Gesicht"
Mit diesem Lied überschreiten wir in unserem Balalaika-Lehrgang
die Schwelle zu einer neuen faszinierenden Welt.
Bisher haben wir nur Lieder in Dur-Tonarten
gespielt, aber der wahre Reichtum
des russischen Volksliedgutes
erschliesst sich uns nun,
wenn wir auch die Moll-Tonarten kennenlernen.
Unser neues Lied begleitet uns auf diesem Schritt:
Es beginnt in C-Dur und leitet dann über nach A-Moll.
Sie können die Griffe ohne weiteres abspielen
und sich erstmal an der schönen Melodie erfreuen,
bevor wir uns der neuen Tonart A-Moll intensiver zuwenden.
Der Text dieses alten Kuban-Kosakenliedes
verrät uns, dass auch diese rauen Kämpfer
immer nur an eines denken:
An ein schönes junges Mädchen
mit einem Gesicht wie Milch und Blut,
hell und zart, hübsch und rund,
das da steht und Wacholderzweige bricht ...
Leider kenne ich nur diese eine Strophe,
aber wie es weitergeht, kann man schon ahnen:
Wir erinnern uns
an den uralten russischen Volksglauben,
den das Lied
"Wie Wacholder auf dem Berge"
schildert:
Wacholderzweige, auf den Weg gestreut,
zaubern flugs einen prächtigen Burschen herbei.
Nun, da wird ein rechter Kosak
sich nicht lange bitten lassen ...
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Helles Gesicht, rundes Gesicht
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Byelolitsa, kruglalitsa,
krasnaya dyewitsa
pri dolinushkye stayala,
kalinu lamala ...
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Helles Gesicht, rundes Gesicht,
schönes junges Mädchen
stand da bei dem kleinen Tal,
brach Wacholderzweige ...
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(Hinweise zur russischen Aussprache im Anhang!)
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Was wir hier über Dur und Moll wissen müssen,
lässt sich an diesem Lied schön aufzeigen
und in wenigen Sätzen zusammenfassen:
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Die Melodie besteht aus vier Liedzeilen:
Auf zwei Zeilen in C-Dur folgen zwei Zeilen in A-Moll.
Das zeigt uns:
C-Dur und A-Moll sind verwandte Tonarten,
weil sie exakt dieselbe Tonreihe verwenden
und sich nur im Aufbau ihrer Tonleitern unterscheiden:
Die C-Dur-Tonleiter beginnt mit dem Grundton C,
A-Moll mit dem Grundton A
das ist genau wie in diesem Lied:
Der C-Dur-Teil beginnt mit dem Ton C,
der A-Moll-Teil mit A.
-
Die ersten beiden Dur-Zeilen
klingen unbeschwert, heiter, draufgängerisch,
die letzten beiden Moll-Zeilen dagegen
gefühlvoll, sehnsüchtig, schwärmerisch:
Auf derart unterschiedliche Stimmungslagen
gehen die Bezeichnungen
"Dur" (von lateinisch durus = hart) und
"Moll" (von lateinisch mollis = weich) zurück.
Allerdings können auch Moll-Melodien
durchaus fröhlich
und ausgesprochen temperamentvoll sein,
wie wir in unseren nächsten Liedern
sehen werden.
-
Bei der Akkordbegleitung, die
wie hier in roten Buchstaben
in vielen Liedersammlungen
über den Noten steht,
werden die Dur-Akkorde stets
mit grossen Buchstaben und
Moll-Akkorde mit kleinen Buchstaben gekennzeichnet:
A = A-Dur,
a = A-Moll.
Und hier sind auch gleich die A-Moll-Griffe,
denn bei diesem Lied
kann die Akkordbegleitung durch ein zweites Instrument
den Dur/Moll-Wechsel in der Melodie
sehr eindrucksvoll unterstreichen.
A-Moll und die dazu gehörigen Wechselgriffe
sind für die Akkordbegleitung der Balalaika genau so wichtig
wie die A-Dur-Griffe, denn der Grundton
dieser Tonarten ist A, und das ist auch der
Grundton der Balalaika-Melodiespiel-Saite.
Die meisten Moll-Melodien
russischer Volkslieder lassen sich gut
in A-Moll spielen. Darum sollte man
sich unbedingt die A-Moll-Griffe einprägen.
Unser neuntes Lied: "Kasanka"
Das Lied von der Kasanka
hat eine ganz schlichte, einfach schöne Melodie:
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Kasanka
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Vdol da po ryetshke,
vdol da po Kazanke
sizý syelezyen plývyot,
aida lyuli lyuli,
aida lyuli lyuli,
sizý syelezyen plývyot.
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Dort auf dem Flüsschen,
dort auf der Kasanka
da schwimmt ein graublauer Enterich,
aida Ljuli Ljuli, aida Ljuli Ljuli,
da schwimmt ein graublauer Enterich.
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Vdol da po byereshku,
vdol da po krutomu,
dobrý maladyets idyot,
aida lyuli lyuli,
aida lyuli lyuli,
dobrý maladyets idyot.
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Dort auf dem Üferchen,
dort auf dem steilen,
da geht ein guter Bursche,
aida Ljuli Ljuli, aida Ljuli Ljuli,
da geht ein guter Bursche.
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Sam on so kudryami,
sam on so rusými,
razgavarivayet on,
aida lyuli lyuli,
aida lyuli lyuli,
razgavarivayet on:
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Er hat Locken,
dunkelblonde Locken,
und er spricht,
aida Ljuli Ljuli, aida Ljuli Ljuli,
und er spricht:
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"Komuzh mayi kudrý,
komuzh mayi rusý
dostanutsya rastshesat',
aida lyuli lyuli,
aida lyuli lyuli,
dostanutsya rastshesat'?"
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"Wem nur werden meine Locken,
meine dunkelblonden Locken
erlauben, sie zu kämmen,
aida Ljuli Ljuli, aida Ljuli Ljuli,
erlauben, sie zu kämmen?"
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Dostavalis kudrý,
dostavalis rusý
krasnoi dyevitse tshesat',
aida lyuli lyuli,
aida lyuli lyuli,
krasnoi dyevitse tshesat'.
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Da erlaubten die Locken,
die dunkelblonden Locken
einem hübschen Mädchen, sie zu kämmen,
aida Ljuli Ljuli, aida Ljuli Ljuli,
einem hübschen Mädchen, sie zu kämmen.
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Ana ikh i tsheshet,
ana ikh i gladit,
volos k volosu kladyot,
aida lyuli lyuli,
aida lyuli lyuli,
volos k volosu kladyot.
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Und sie kämmt sie,
und sie glättet sie,
und legt Haar zu Haar,
aida Ljuli Ljuli, aida Ljuli Ljuli,
und legt Haar zu Haar.
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(Hinweise zur russischen Aussprache im Anhang!)
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Ljuli diesen Namen
sollte man sich vielleicht merken.
In Liebesdingen ist die altslawische Natur- und Liebesgöttin
aus vorchristlicher Zeit
offenbar immer noch eine gute Adresse:
In dem Lied "Wie Wacholder auf dem Berge"
erhört sie
den Liebeszauber der Mädchen
und schickt ihnen einen feschen Burschen.
Und hier ist es ein einsamer Jüngling,
der hinaus geht zum Ufer der Kasanka,
die bei der alten Tatarenhauptstadt Kasan
in die Wolga mündet,
um Ljuli sein Leid zu klagen
und hier findet sich prompt
ein schönes Mädchen ein,
dem er sich mit Haut und Haar hingeben kann.
Die Balalaika-Griffe sind beim "Kasanka"-Lied so gewählt,
dass die mittlere E-Saite stets leer mitschwingt.
Das ist bei dieser Melodie möglich,
weil sie nur mit A-Moll- und E-Dur-Akkorden begleitet wird
und der Ton E der frei mitschwingenden mittleren E-Saite
zu beiden Akkorden passt.
Das erinnert an die urtümliche Spielweise
auf der früher oft nur zweisaitigen Balalaika.
Wie das geklungen hat,
können Sie hier leicht ausprobieren:
Spielen Sie nur mit den Fingern
die Melodie auf der A-Saite und
lassen Sie dazu stets beide E-Saiten leer mitschwingen
eine interessante Spielvariante,
die Sie vielleicht in Ihren Liedvortrag einbauen möchten.
Eine weitere Variante mit wieder anderem Klang
entsteht, wenn Sie den Daumen bei jedem Griff nicht nur
auf eine, sondern quer über beide E-Saiten legen.
Probieren Sie's mal
sicher gefällt ihnen auch dieser Klang.
Die Griffbilder über unseren Liedern
sollen Sie ja nicht hindern,
eigene Ideen auszuprobieren.
Bei allen Griffen in C-Dur, E-Dur, A-Dur, A-Moll und E-Moll
kann man theoretisch die mittlere E-Saite frei mitschwingen
lassen und mit dem Daumen nur die äussere E-Saite abgreifen,
anstatt ihn über beide E-Saiten zu legen.
Ob's besser klingt
das ist letztlich oft auch
eine Frage des persönlichen Geschmacks.
Unser zehntes Lied: "Kalinka"
Kaum ein russisches Volkslied ist
rund um die Welt so bekannt geworden
wie dieses
"Kalinka, kalinka, kalinka maya ...":
Sein mitreissender Refrain
mit dem markanten Rhythmus in Sprache und Melodie,
der drei, vier Mal wiederholt wird und
jedesmal schneller, rasanter, ekstatischer wird,
und plötzlich dann der Umschlag
in die leise,
getragene, fast sehnsüchtige Melodie der Strophe
mit ihrem ungestillten Traum vom Liebesglück
das lässt uns auf eindrucksvolle Weise
eine breite Spanne menschlicher Leidenschaften miterleben.
Bei diesem Lied
wird Ihnen vieles bekannt vorkommen:
"Kalinka" (Wacholder) and "Malinka" (Himbeere)
waren offenbar die traditionellen Opfergaben
an die altslawische Göttin der "Mutter Erde",
des Frühlings, der Liebe und Fruchtbarkeit
mit Namen "Ljuli"
- als die traditionelle himmlische Verbündete
des russischen Bauernvolkes und der Verliebten
überstand sie die Christianisierung
und lebt heute noch fort
einer ganzen Reihe von Volksliedern.
Die meisten dieser Lieder beginnen
mit einer sehr ähnlichen Melodieführung.
Bei "Kasanka"
und "Wie Wacholder auf dem Berge"
und all den anderen Ljuli-Liedern
in der Sammlung "Russische Volkslieder"
beginnt die Melodie stets beim hohen E
und führt hinab zum Grundton A.
Das lässt vermuten,
dass sie alle auf einen gemeinsamen Ursprung
zurückgehen, etwa eine sehr alte Hymne
oder ein heidnisches Ritual zu Ehren der Göttin Ljuli.
Das Lied "Kalinka" könnte dieses Original sein
oder ihm zumindest sehr weitgehend ähneln:
Es hat noch die liturgische Form des Wechselgesangs:
Der Refrain, von der Gemeinde bis zur Ekstase
wiederholt, erinnert die Göttin immer wieder
an die dargebrachten Opfergaben,
und im Sologesang der Strophen
wendet sich der Priester direkt an Ljuli
und trägt ihr vor,
was die Menschen sich von ihr dafür erhoffen:
Eine reiche Ernte vielleicht, oder Kindersegen,
oder die Errettung aus Hungersnot, aus Seuchen,
aus Dürrezeiten ...
In der heutigen Form des Liedes
ist nur noch eine,
nicht weniger wichtige Bitte geblieben:
Der Wunsch nach Liebe!
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Kalinka
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Kalinka, kalinka, kalinka maya,
f sadu yagoda malinka, malinka maya.
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Wacholder, Wacholder, Wacholder mein,
im Garten die Beere, die Himbeere mein.
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Pad sasnoyu, pad zelenoyu
spat' palazhýtye vý minya,
aida lyuli lyuli,
aida lyuli lyuli,
spat' palazhýtye vý minya.
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Unter der Kiefer, unter der grünen
legt mich zum Schlafen,
aida, Ljuli, Ljuli, aida, Ljuli, Ljuli,
legt mich zum Schlafen!
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Kalinka, kalinka, kalinka maya,
f sadu yagoda malinka, malinka maya.
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Wacholder, Wacholder, Wacholder mein,
im Garten die Beere, die Himbeere mein.
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Akh tý sasyenushka,
akh tý zelenaya,
nye shumi zhe nado mnoi,
aida lyuli lyuli,
aida lyuli lyuli,
nye shumi zhe nado mnoi!
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Ach du liebe Kiefer, ach du grüne,
rausche doch nicht so laut über mir,
aida, Ljuli, Ljuli, aida, Ljuli, Ljuli,
rausche doch nicht so laut über mir!
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Kalinka, kalinka, kalinka maya,
f sadu yagoda malinka, malinka maya.
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Wacholder, Wacholder, Wacholder mein,
im Garten die Beere, die Himbeere mein.
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Krasavitsa, dusha dyevitsa,
palyubi zhe tý minya,
aida lyuli lyuli,
aida lyuli lyuli,
palyubi zhe tý minya!
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Schönes Mädchen, liebes Mädchen,
hab mich doch lieb,
aida, Ljuli, Ljuli, aida, Ljuli, Ljuli,
hab mich doch lieb!
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Kalinka, kalinka, kalinka maya,
f sadu yagoda malinka, malinka maya.
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Wacholder, Wacholder, Wacholder mein,
im Garten die Beere, die Himbeere mein.
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(Hinweise zur russischen Aussprache im Anhang!)
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Bevor wir uns dem nächsten Lied zuwenden,
hier noch ein Tip zu "Kalinka":
Der Refrain
"Kalinka, kalinka, kalinka maya ..."
wird am Anfang, zwischen den Strophen
und am Ende gespielt und jedesmal wiederholt,
aber nicht nur einmal,
sondern drei, vier Mal hintereinander:
Der erste Durchgang beginnt betont langsam,
aber dann wird der Refrain immer schneller
und erreicht im letzten Durchgang ein furioses Tempo.
Als Balalaikaspieler sollte man darauf gut vorbereitet sein
und für jedes Tempo
eine spezielle Grifftechnik parat haben:
1. Durchgang, langsam:
So ist es im Lied oben notiert,
und so klingt es wohl auch am besten:
Jeder Melodieton hat
seinen eigenen Akkordgriff
allerdings muss die Hand dabei ständig
am Hals auf und ab rutschen,
das kostet Zeit, und die haben wir nur am Anfang,
wenn der Refrain noch sehr langsam vorgetragen wird.
2. Durchgang, schneller:
Hier bewegt sich die Hand nur noch einmal
vom hohen Anfangston aus nach unten
und bleibt in dieser Lage das spart Zeit!
3. Durchgang, sehr schnell:
Jetzt bleibt die Hand
immer in derselben Lage, denn auch der Anfangston
ist von hier aus zu greifen
wieder eine Vereinfachung,
die ein schnelleres Spielen erlaubt.
4. Durchgang, rasant:
Am Ende wird die Melodie nur noch auf der A-Saite gespielt,
und die beiden E-Saiten können leer mitschwingen,
weil der Ton E zu allen Melodietönen passt.
Unser elftes Lied: "Kosakenpatrouille"
Hier kommt ein Lied im flotten Reitergalopp daher:
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Kosakenpatrouille
bearbeitet für das Melodiespiel in A-Moll
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Polyushko, polye,
polyushko shiroko, polye ...
Yedut, ey, po polyu gyeroyi,
ey, da ruskoi armiyi gyeroyi.
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Feld, mein Feld
mein weites Feld ...
Da reiten, hej, übers Feld die Helden,
hej, die Helden der russischen Armee.
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Dyevushki platshut,
dyevushkam sivodnya grustno:
Milý da v armiyu uyekhal,
ey, da milý v armiyu uyekhal.
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Die Mädchen weinen,
die Mädchen sind heute traurig:
Ihr Liebster ist zur Armee geritten,
hej, der Liebste ist zur Armee geritten.
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Dyevushki, gliantye,
dyevushki, utritye slyozý!
Pust' po silnyeye grianyem pyesnyu,
ey, da nasha pyesnya boyevaya.
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Ihr Mädchen, schaut her,
Mädchen, wischt die Tränen fort!
Um so stärker soll unser Lied erklingen,
hej, unser kämpferisches Lied.
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Tol'ko mý vidyim,
vidyim mý syeduyu tutshu:
Vrazhya da sila iz za lyesa,
ey, da vrazhya sila slovno tutsha.
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Wir sehen nur
eine graue Wolke:
Die Feindesmacht hinter dem Walde,
hej, die Feindesmacht wie eine Wolke.
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(Hinweise zur russischen Aussprache im Anhang!)
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Dieses Lied mit seiner packenden,
rastlos vorwärtsdrängenden Melodie
entstand in den Bürgerkriegsjahren 1918-1922
und wurde wohl zuerst bei den "Weissen",
bald aber auch bei den "Roten" gesungen
das mitreissende Lied hatte die Fronten überwunden,
und beide Seiten besangen darin ihre vage Hoffnung,
von der jeweiligen Feindesmacht
nur noch eine graue Wolke zu sehen,
wenn die sich hinter dem Wald aus dem Staube machte.
"Kosakenpatrouille" ist der Titel,
unter dem diese eingängige Melodie
im flotten Reitergalopp
vor einigen Jahrzehnten bei uns
als Instrumentalstück populär wurde.
Inzwischen führen auch russische Chöre
und Balalaika-Orchester das Lied
in ihrem Repertoire unter diesem Titel.
Wenn Sie die Noten genau studieren,
werden Sie feststellen,
dass wir an zwei Stellen ein Problem haben:
In der dritten und vierten Liedzeile
geht die Melodie hinunter bis zum Ton D,
der auf der Balalaika gar nicht mehr zu spielen ist.
Wenn Sie an diesen Stellen die Noten und Griffe vergleichen,
werden Sie entdecken,
dass wir hier ein bisschen gemogelt haben:
Wir spielen statt des Tons D einfach E
und einen E-Dur-Akkord.
Nun, das ist hier vielleicht verzeihlich,
denn könnten wir dazu das D spielen,
so würde aus E-Dur ein E-Septim-Akkord
wir brauchen also keinen Missklang zu befürchten,
selbst wenn andere Instrumente oder Sänger
gleichzeitig das D intonieren,
das eigentlich hier am Platze wäre.
Und diese kleine Mogelei zahlt sich aus, denn so ist
die Melodie recht einfach zu spielen:
Die Hand bleibt beständig
in der untersten Spielstellung
da bleibt viel Raum für Oberstimmen ...
Ach, man müsste zwei Balalaikas haben!
Dann könnte eine die Melodie spielen,
und ein zweiter Balalaikaspieler könnte
in der mittleren Lage eine Oberstimme
dazu improvisieren, etwa so:
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Kosakenpatrouille
1. Oberstimme
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Ach, man müsste drei Balalaikas haben!
Dann könnte eine Balalaika die Melodie spielen,
die zweite die Oberstimme,
und eine dritte Balalaika könnte
weit oben auf der A-Saite,
eine Oktave über der Hauptmelodie
einfach nur die Melodietöne auf einer Saite zupfen
oder tremolieren:
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Kosakenpatrouille
2. Oberstimme, auf einer Saite gezupft oder tremoliert
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Wenn Sie jetzt noch ein paar Rhythmusinstrumente
wie Holzblocktrommel,
Taburin und Rassel hinzunehmen ,
um das Pferdegetrappel der herannahenden,
vorbeistürmenden und am Ende
in der Ferne wieder verschwindenden
Reiterhorde anzudeuten,
dann können Sie dieses kleine Liedchen
zu einer bühnenreifen Darbietung ausgestalten:
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Vorspiel:
Ein Rhythmusinstrument beginnt kaum hörbar
und wird allmählich lauter, die anderen kommen dazu.
Sie geben einen flotten Galopprhythmus vor
und behalten ihn das ganze Lied hindurch bei:
Ram ratatam ratatam ratatam ...
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1. Strophe, leise beginnend:
Die erste Balalaika setzt ein,
die ersten Töne leise zupfend, dann zum Melodiespiel
übergehend.
Gegen Ende der Strophe kommt die zweite Balalaika dazu.
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2. Strophe, anschwellend:
Zwei Balalaikas spielen die Melodie,
die dritte Balalaika setzt zupfend ein und geht auch zum
Melodiespiel über.
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3. Strophe, stark:
Zwei Balalaikas spielen die Melodie,
die dritte Balalaika die 1. Oberstimme.
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4. Strophe, Höhepunkt: Eine Balalaika spielt die Melodie,
die zweite spielt die 1. Oberstimme,
die dritte Balalaika zupft die 2. Oberstimme
weil's so schön ist,
könnte man dies
auch zwei Strophen lang durchhalten.
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5. Strophe, abschwellend:
Zwei Balalaikas spielen die Melodie,
die dritte zupft sie, leiser werdend, eine Oktave höher.
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6. Strophe, ausklingend:
Eine Balalaika spielt die Melodie,
eine zupft nur die Melodietöne.
Beide werden leiser und klingen gegen Ende
der ersten Hälfte der Strophe aus.
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Nachspiel:
Die Rhythmusinstrumente werden rasch leiser
und verstummen.
Applaus, Applaus, Applaus!!!
Andererseits wenn wir nicht gerade
ein vortragsreifes Arrangement
für drei Balalaikas planen
müssten wir eigentlich nicht mogeln,
wenn wir feststellen,
dass eine Melodie den Tonumfang unserer Balalaika
überschreitet:
Wir suchen uns dann einfach eine andere Tonart,
in der die ganze Melodie
sich auf der Balalaika spielen lässt
das haben wir in unserem Lehrgang
schon einige Male praktiziert
und noch für jede Melodie die passende Tonart gefunden.
Auch die "Kosakenpatrouille"
muss man ja nicht in A-Moll spielen:
Was in A-Moll nicht passt,
das spielen wir eben in E-Moll,
und so klingt unser Lied im Solo-Vortrag ohnehin viel besser.
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Kosakenpatrouille
bearbeitet für das Melodiespiel in E-Moll
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Hier können wir das ganze Lied auf der A-Saite
spielen und so die Melodie viel eindrucksvoller
zur Geltung bringen,
als dies in der A-Moll-Version geschehen konnte.
Unser zwölftes Lied: "Schwarze Augen"
Auch diese alte russische Zigeunerweise spielen wir in E-Moll:
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Schwarze Augen
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Otshi tshornýe, otshi strastnýe,
otshi zhgutshiye i prekrasnýe
kak lublyu ya vas, kak bayus ya vas!
Znat', uvidel vas ya v nyedobrý tshas.
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Schwarze Augen, leidenschaftliche Augen,
brennende, schöne Augen
wie ich euch liebe, wie ich euch fürchte!
Seit ich euch sah, hab ich keine gute Stunde.
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Okh, nyedarom vý glubiný tyemney!
Vizhu traur v vas po dushe mayey,
vizhu plamya v vas ya pabyednoye:
Sozhenu na nyom sertse byednoye.
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Ihr seid nicht umsonst von so dunkler Tiefe!
Ich sehe in euch die Trauer über meine Seele,
ich sehe in euch das unbezwingbare Feuer,
auf dem mein armes Herz verbrennt.
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No nye grusten ya, nye petshalen ya,
uteshitelna mnye sud'ba maya:
Fsyo shto lutshevo vzhizni bog dal nam
v zhertvu otdal ya ognevým glazam!
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Doch ich bin nicht traurig, nicht bedrückt,
glücklich erscheint mir mein Schicksal:
Was Gott uns Gutes im Leben gegeben hat,
hab ich geopfert für diese feurigen Augen.
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(Hinweise zur russischen Aussprache im Anhang!)
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Der mitreissende Schwung, den diese Zigeunerweise entwickelt,
entspringt einfach daraus,
dass das simple,
aus nur fünf Tönen
bestehende Motiv am Liedanfang
sich die ganze Strophe hindurch immer wieder wiederholt,
sich aber dabei in so interessante Variationen steigert,
dass die Motiv-Umkehrung am Schluss
den Schwung gar nicht auffangen kann
und man die Melodie immer nochmal spielen
und hören möchte.
Vielleicht fallen Ihnen noch weitere Variationen ein,
um Ihre zweite, dritte Strophe abwechslungsreich zu gestalten
die Zigeuner hätten ihren hellen Spass daran!
Übrigens:
Wer sich hier an dem Begriff "Zigeuner" stösst,
möge bedenken, dass der stattdessen
bemühte Name "Sinti und Roma"
nur die zwei grössten,
aber keineswegs alle deutschen Stammesverbände
des fahrenden Volkes umfasst und seinerseits
eine Diskriminierung der kleineren Stämme darstellt.
Die russischen Gruppen
und um die geht's ja hier
kann man schon gar nicht "Sinti und Roma" nennen:
Neben einer Vielzahl kleinerer Stämme leben dort
vor allem Roma, aber so gut wie keine Sinti.
So bleibe ich denn beim Begriff "Zigeuner",
der wohl vom persischen "ciganch" = "Musiker, Tänzer"
hergeleitet ist wo könnte das besser passen als hier?
Dieses alte Lied
von den glutvollen, unwiderstehlichen,
alles verzehrenden Blicken aus schwarzen Augen
ist wieder in A-Moll auf der Balalaika nicht zu spielen.
Versuchen Sie's:
Ob Sie unten beim Ton E der leeren E-Saite beginnen
oder oben beim E am siebten Bund der A-Saite
jedesmal ist das Griffbrett zu kurz,
um alle Töne der Melodie zu spielen.
Also versuchen wir's, wie bei der "Kosakenpatrouille",
mit einer anderen Tonart
und spielen auch diese Melodie wieder in E-Moll.
Und wie Sie schon bei der E-Moll-Version der "Kosakenpatrouille"
und jetzt auch bei "Schwarze Augen" gesehen haben,
wechseln wir
in unseren E-Moll-Melodien häufig auch
zu G-Dur und seinen Wechselgriffen C-Dur,
D-Dur und D-Septim
E-Moll und G-Dur sind nämlich auch verwandte Tonarten,
ebenso wie die beiden verwandten Tonarten A-Moll und C-Dur.
Und hier sind die Griffe
für eine Akkordbegleitung in E-Moll.
Die meisten kennen wir schon:
So, dies war die letzte Tonart,
die wir in diesem Lehrgang kennenlernen.
Sie beherrschen nun vier Dur- und zwei Moll-Tonarten,
und damit sind Sie bestens ausgestattet,
sich jedes Lied auf der Balalaika selbst zu erarbeiten
sowohl für die Akkordbegleitung
wie auch für das Melodiespiel.
Unser letztes Lied: "Kosakenwiegenlied"
Kosaken das waren verwegene Kerle,
entlaufene Leibeigene, die
alle Verfolger abgeschüttelt und sich
bis an den Rand des Zarenreiches durchgeschlagen hatten:
Dort, am Dnjepr und am Don,
an der Wolga, am Kuban und in Sibirien,
hatten sich bald Scharen
dieser wagemutigen,
kämpferischen Draufgänger zusammengefunden,
eroberten sich im unruhigen, stets umkämpften Grenzland
eigene Siedlungsgebiete
und lebten nun als freie Bauern in befestigten Dörfern,
die sie ständig nach allen Seiten verteidigen mussten.
Stolz benannten sie sich nach dem mongolischen Wort
"kosak", was "freier Mensch" bedeutet,
sie waren niemandem zu Tribut oder Gehorsam verpflichtet,
erkannten keinerlei Obrigkeit an,
und in Kriegszeiten wählten sie einen der ihren
zum Anführer, den sie "Hetman" oder "Ataman" nannten
und der danach, im Frieden, wieder das wurde, was alle waren:
ein einfacher freier Bauer.
Das stolze, ungebundene, kämpferische Kosakenleben hat
immer wieder grosse Künstler inspiriert:
So haben Ilja Repin mit seinem kolossalen Gemälde
"Die Saporoger Kosaken
schreiben dem türkischen Sultan einen Brief",
Alexander Glasunow mit seiner Sinfonie "Stenka Rasin"
und
Nikolai Gogol mit seiner Erzählung "Taras Bulba"
dieser Kosakenherrlichkeit klassische Denkmäler gesetzt.
Und in Gogols Erzählung ist es die
ergreifende Schilderung der Mutter
mit ihrer hingebungsvollen Liebe und ahnungsvollen Angst
um das Schicksal ihrer Söhne,
die der grosse Dichter Michail Lermontow
eindrucksvoll verdichtet hat in seinem "Kosakenwiegenlied",
das rasch zu einem Volkslied wurde:
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Kosakenwiegenlied
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Spi mladyenets, moi prekrasný,
bayushki bayu,
tikho smotrit myesyats yasný
f kolýbyel tvayu.
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Schlaf, mein Bub, mein schöner,
bajuschki baju,
still schaut der klare Mond
in deine Wiege.
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Stanu skazývat' ya skazki,
pyesenki spayu,
tý-zh dremli, zakrývshi glazki,
bayushki bayu.
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Ich will Märchen erzählen
und Liedchen vorsingen,
du aber schlummre, die Äuglein geschlossen,
bajuschki baju.
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Sim uznayesh, budit vremya,
branoye zhityo,
smyelo vdyenish nogu f stremya
i vazmyosh ruzhyo.
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Es kommt die Zeit, da wirst du kennenlernen
das streitbare Leben,
kühn wirst du den Fuss in den Steigbügel stemmen
und das Gewehr nehmen.
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Ya sedeltse boyevoye
sholkom razoshyu.
Spi, ditya mayo radnoye,
bayushki bayu.
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Die Satteldecke für dein Streitross
werd ich dir aus Seide nähen.
Schlaf, mein liebes kleines Kindchen,
bajuschki baju.
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Bogatýr tý budish s vidu
i kazak dushoi.
Pravazhat' tibya ya výdu,
tý makhnyosh rukoi.
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Ein Held wirst du sein von Ansehen
und ein Kosak mit ganzem Herzen.
Ich werde herauslaufen, dich zu begleiten,
du wirst nur mit der Hand winken.
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Skolko gorkikh slyoz ukradkoi
ya f tu notsh pralyu!
Spi, moi angel, tikho, sladko,
bayushki bayu.
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Wie viele bittere Tränen werd ich heimlich
in jener Nacht vergiessen!
Schlaf, mein Engel, still und süss,
bajuschki baju.
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Stanu ya toskoi tomit'sya,
byesutyeshno zhdat',
stanu tselý dyen' molit'sya,
po notsham gadat'.
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Ich werde vor Sehnsucht vergehen,
untröstlich werde ich warten,
den ganzen Tag werde ich beten
und nachts das Schicksal befragen.
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Stanu dumat', shto skutshayesh
tý f tshuzhom krayu.
Spi-zh, paka zabot nye znayesh,
bayushki bayu.
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Ich werde denken, dass du Sorgen hast
fern in fremdem Land.
Schlaf jetzt, solange du Sorgen nicht kennst,
bajuschki baju.
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Dam tibye ya na darogu
obrazok svyatoi,
tý yevo, molyasya bogu,
stav pyered saboi.
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Auf den Weg werd ich dir geben
ein kleines Heiligenbildchen,
das musst du, wenn du zu Gott betest,
vor dir aufstellen.
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Da, gotovyas v boi apasný,
pomni mat' svayu.
Spi, mladyenets, moi prekrasný,
bayushki bayu.
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Wenn du dich vorbereitest auf den gefährlichen Kampf
denk an deine Mutter.
Schlaf, mein Bub, mein schöner,
bajuschki baju.
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(Hinweise zur russischen Aussprache im Anhang!)
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Die wunderschöne, schlichte Melodie,
die das Volk bald zu diesen Worten fand,
teilt Lermontows Verse in je zwei Strophen.
Um den ursprünglichen Versaufbau
von Lermontows Gedicht zu verstehen,
müsste man immer zwei Strophen
zu einem Vers zusammenfügen:
Jeder Gedichtvers endet dann mit der Zeile "bajuschki baju".
"Bajuschki baju" diese zwei Worte lassen
sich nicht übersetzen,
sie sind einfach nur sanfte, warme Klangwörter,
mit denen russische Mütter
ihre Kinder in den Schlaf singen.
Werden die Kinder dann grösser,
heisst es nur noch kurz "Bai bai!" "Schlaf gut!"
Dieses Lied können Sie nun einfach so
vom Blatt spielen, stimmt's? Sie brauchen keine
Erläuterungen mehr, keine Ratschläge,
keine neuen Griffe.
Sie schaffen das jetzt "spielend" selbst.
Zum Geleit
Die Schule ist aus!
Aber das Lernen geht natürlich weiter:
In meiner Sammlung
"Russische Volkslieder"
finden Sie noch viele weitere Lieder
mit Griffbildern für das Balalaika-Melodiespiel,
die Sie sich nun auch selbstständig erarbeiten können.
Und bald werden Sie sich an eine neue Melodie wagen,
die Sie irgendwo gehört haben,
werden sie erst auf einer Saite zupfen,
dann passende Melodiespiel-Griffe dazu finden
und schliesslich zu einem Liedvortrag gestalten.
Und schauen Sie anderen Balalaikaspielern auf die Finger,
lassen Sie sich neue Griffe,
neue Schlagtechniken zeigen.
Experimentieren Sie selbst,
finden Sie interessante Klänge heraus.
Unser Lehrgang konnte die Grundlagen vermitteln
aber Kunst ist immer individuell:
Finden Sie Ihren eigenen Weg,
Ihren eigenen Stil, Ihre eigenen Interpretationen
der russischen Volksweisen.
Ich möchte mich aber nicht von Ihnen verabschieden,
ohne Ihnen meine Hochachtung auszusprechen,
wenn Sie die Balalaikaschule
bis hierhin durchgearbeitet haben.
Sie haben sich mit unendlich viel Geduld,
Fleiss und Hartnäckigkeit
eine neue Welt erschlossen:
die reiche Welt dieser grossartigen russischen Volksmusik
und das nicht als passiver Zuhörer,
sondern als musizierender,
diese Musik mitgestaltender,
Ihre persönliche Note einbringender
aktiver Balalaikaspieler.
Aber eigentlich möchte ich mich
überhaupt nicht von Ihnen verabschieden,
sondern gerne weiterhin in Kontakt bleiben.
Schreiben Sie mir, wenn Fragen oder Probleme auftauchen,
wenn Sie Kritik und Verbesserungsvorschläge
für die Balalaikaschule haben,
und besonders würde ich mich freuen,
wenn Sie ein neues Lied kennenlernen,
das ich meiner Sammlung noch hinzufügen könnte,
damit alle ihre Freude daran haben ...
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Ich weiss, dass Sie die Balalaika
von nun an nicht mehr loswerden
dieses kleine, zierliche, mit seinen drei Saiten
so bescheidene und doch so vielseitige, ausdrucksstarke
Instrument
und ich wünsche Ihnen viel, viel Freude damit!
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Kai Kracht
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Anhang: Das Griffbrett
Hier ist etwas schematisch dargestellt
das Griffbrett der Prim-Balalaika
mit den Namen aller Töne,
die man darauf spielen kann.
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In der Grafik sind nur die Namen für die
erhöhten Halbtonstufen angezeigt,
nicht aber die Namen der erniedrigten
Halbtöne.
Doch auf der Balalaika meinen
die folgenden Notennamen-Paare
jeweils exakt denselben Ton:
Des = Cis, Es = Dis, Ges = Fis, As = Gis, B = Ais.
Wenn Sie also ein Des hören wollen,
setzen Sie den Finger auf Cis,
denn Des ist nur ein anderer Name für Cis.
Die Namen der Töne auf der äusseren E-Saite
gelten natürlich genau so
auch für die mittlere E-Saite.
Sie sind dort nur deshalb nicht nochmal eingetragen,
um stattdessen die Griffbrettmarkierungen
abbilden zu können.
Die Griffbrettmarkierungen,
meist als kleine runde helle Scheiben
in das Holz des Griffbretts eingelassen,
sind bei den meisten Balalaikas
in der hier dargestellten Weise
angeordnet, darum werden sie in diesem Lehrgang
und bei den Liederblättern unserer Volksliedersammlung
stets einheitlich in genau dieser Anordnung dargestellt.
Sollten Sie bei Ihrem Instrument
eine abweichende Markierung feststellen,
könnten Sie
wenigstens für die Dauer dieses Lehrgangs
auf Ihrem Griffbrett die
überzähligen Punkte dunkel übermalen
bzw. fehlende Punkte mit heller Farbe dünn auftupfen.
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Wollen Sie einen bestimmten Ton spielen, z.B. ein A oder ein C?
Dann setzen Sie Ihren Finger dort aufs Griffbrett,
wo hier in der Abbildung der Name dieses Tons steht,
und reissen Sie die entsprechende Saite an,
dann erklingt der gewünschte Ton.
Wollen Sie wissen, welchen Ton Ihr Finger gerade greift?
Dann merken Sie sich die Saite und den Bund,
wo Ihr Finger auf dem Griffbrett steht,
suchen Sie nun die entsprechende Position in der
Abbildung auf und lesen Sie dort den Namen des Tons ab.
Anhang: Grifftabelle
C-
Dur
|
C
|
G
|
G7
|
F
|
|
A-
Moll
|
a
|
E
|
E7
|
d
|
D-
Dur
|
D
|
A
|
A7
|
G
|
|
H-
Moll
|
h
|
Fis
|
Fis7
|
e
|
E-
Dur
|
E
|
H
|
H7
|
A
|
|
Cis-
Moll
|
cis
|
Gis
|
Gis7
|
fis
|
F-
Dur
|
F
|
C
|
C7
|
B
|
|
D-
Moll
|
d
|
A
|
A7
|
g
|
G-
Dur
|
G
|
D
|
D7
|
C
|
|
E-
Moll
|
e
|
H
|
H7
|
a
|
A-
Dur
|
A
|
E
|
E7
|
D
|
|
Fis-
Moll
|
fis
|
Cis
|
Cis7
|
h
|
H-
Dur
|
H
|
Fis
|
Fis7
|
E
|
|
Gis-
Moll
|
gis
|
Dis
|
Dis7
|
cis
|
Die Grifftabelle zeigt die Balalaika-Griffe,
die Sie brauchen, wenn Sie eine gesungene
oder gespielte Melodie mit Balalaika-Akkorden begleiten.
Es gibt sicher raffiniertere Akkordgriffe,
aber diese sind am leichtesten zu greifen.
Links in der Grifftabelle finden Sie die Akkordbegleitung
für sämtliche diatonischen Dur-Tonarten
und rechts daneben die Griffe
für die jeweils verwandte Moll-Tonart.
Niemand muss die ganzen 56 Griffe
der grossen Grifftabelle beherrschen!
In der Praxis sind es nur wenige Tonarten,
die immer wieder verwendet werden
diese wichtigen Tonarten
können Sie gleich hier üben, mit unserem
Schnellkurs für die Akkordbegleitung:
Wie Sie sehen, hat in unserer Schnellkurs-Tabelle
jeder Griff mit rotem Buchstaben
zwei Nachbarn:
-
H hat die Nachbarn Fis und E,
-
E hat die Nachbarn H und A,
-
A hat die Nachbarn E und D ...
Und siehe da: Diese Nachbarn sind die Wechselgriffe!
-
H-Dur hat die Wechselgriffe Fis-Dur und E-Dur,
-
E-Dur hat die Wechselgriffe H-Dur und A-Dur,
-
A-Dur hat die Wechselgriffe E-Dur und D-Dur ...
Und welche Wechselgriffe gehören zu C-Dur?
Schauen Sie in die Tabelle:
C hat die Nachbarn G und F.
Also hat C-Dur die Wechselgriffe G-Dur und F-Dur.
Und D-Dur? Welche Wechselgriffe brauche ich da?
Schauen Sie in die Tabelle:
D hat die Nachbarn A und G.
Also hat D-Dur die Wechselgriffe A-Dur und G-Dur.
Wer dieses Prinzip verstanden hat,
kann mit diesen neun Griffen
eigentlich schon
alle gängigen Dur-Tonarten
mit Akkorden begleiten.
Septim-Akkordgriffe und verwandte Moll-Akkorde
muss man sich bei Bedarf dann allerdings aus der grossen
Grifftabelle heraussuchen.
Von allen Moll-Tonarten der grossen Grifftabelle
braucht man sich nur E-Moll, A-Moll und D-Moll
mit den jeweiligen Wechselgriffen einzuprägen
das reicht in aller Regel.
Anhang: Zur russischen Aussprache Texte
Natürlich müsste man russische Texte
eigentlich kyrillisch schreiben;
jede Umschrift mit lateinischen Buchstaben
muss unzulänglich bleiben.
Aber die hier verwendete internationale Schreibweise
kommt der russischen Aussprache
schon sehr nah, wenn man ein paar Regeln beachtet:
a, e, i, o, u, b, d, f, g, k, l, m, n, p, t ...
fast alle Buchstaben werden genau so ausgesprochen
wie im Deutschen. Ausnahmen sind nur:
r
wird
immer mit der Zungenspitze gerollt.
s
ist immer stimmlos, wie in "Glas",
z
steht international für
den stimmhaften "s"-Laut und
klingt wie das "s" in "Glaser".
sh
ist immer stimmlos,
wie im Deutschen das "sch" in "Tasche",
zh
dagegen klingt stimmhaft,
wie in das "g" in "Etage".
v
klingt, wie in "Vase",
immer stimmhaft wie ein deutsches "w".
kh
kennzeichnet international unseren "ch"-Laut,
rau wie in "ach" ausser
vor "e" oder "i",
da klingt «khe» wie in "Chemie"
und «khi» wie in "China".
y
kann in der international üblichen Schreibweise
sowohl für den Vokal "dumpfes i"
wie auch für den deutschen Konsonant-Laut "j" stehen.
Das ist missverständlich,
darum unterscheiden wir hier genauer:
Ist der Vokal gemeint, schreiben wir «ý» mit Akzent,
ist dagegen der "j"-Laut gemeint,
schreiben wir ein einfaches «y»:
ý
wird hier immer als "dumpfes i" gesprochen;
genau genommen ist das ein Doppellaut,
der vom "ü" zum "i" gleitet:
Das "ü" klingt nur ganz kurz an,
das "i" ist betont:
Die russischen Wörter
«mý»,
«tý»,
«vý»
klingen wie
"müi",
"tüi",
"vüi".
y
wird, wie in "Himalaya",
wie ein leichtes "j" ausgesprochen.
Wenn es hinter einem Konsonanten steht,
dann verschmilzt es fast mit ihm
- bei «nyet» z.B. klingt das,
als wollte man ein «n» und ein «j»
gleichzeitig aussprechen,
und heraus kommt
ein "nj" ein "weiches n"
mit ganz leicht nachklingendem "j":
«nyet» klingt wie
"njet",
«tyekst» wie
"tjekst" und
«Vyera» wie
"Vjera".
'
hat in der internationalen
Umschrift praktisch dieselbe Funktion
es erweicht den davorstehenden Konsonanten:
«mat'» wird wie
"matj"
gesprochen,
«tol'ko» wie
"toljko,
«gulyat'» wie
"guljatj" ...
a, e, i, o, u, ý
die Unterstreichung kennzeichnet
in mehrsilbigen Wörtern
den betonten Vokal.
Er wird im Russischen lang gesprochen
und deutlich betont.
Die Betonung ist im Russischen sehr wichtig;
würde man sie verändern, bekäme das ganze Wort
eine andere Aussprache
und oft auch eine andere Bedeutung!
Insgesamt wird das Russische weiter hinten im Rachen gesprochen
als das Deutsche. Es klingt dadurch dumpfer, weicher, kraftvoller.
Und das ist überhaupt der Grund,
warum wir uns hier so mit der russischen Sprache abplagen:
Das russische Volkslied lebt zu einem wesentlichen Teil
aus dem Element seiner Sprache.
Das Russische "klingt" eben anders als das Deutsche,
und das Eigentümliche der russischen Sprache
muss "mitklingen" im russischen Lied.
Es gibt schöne, einfühlsame deutsche Nachdichtungen
russischer Liedtexte,
aber mit einem deutschen Text ist es kein russisches Lied mehr.
Es "klingt" nicht mehr russisch, und oft
geht noch mehr verloren als die Klangfarbe der Sprache:
Kalinka, kalinka, kalinka maja ...
kann man nicht einfach übersetzen und singen
Wacholder, Wacholder, Wacholder mein ...
ohne dem Lied die markante Rhythmik
des russischen Textes zu rauben
und es dazu durch Verpflanzung in einen anderen Kulturkreis,
wo Wacholderschnaps bekannter ist als der Wacholderstrauch
zur Trinkerhymne zu degradieren.
Darum wird hier bewusst keine singbare deutsche Textfassung
angeboten, nur eine wörtliche Übersetzung
schliesslich sollte man wissen, was die Texte bedeuten.
Aber singen muss man ein russisches Lied schon
mit seinem russischen Text
und, wenn man's kann, mit einer Balalaika
begleiten
nur dann ist es wirklich ein russisches Lied.
© Kai Kracht 2002
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